Frei und radikal: Actress verneigt sich vor den Geistern der Avantgarde

Seit Beginn seiner Musikkarriere ist Darren Cunningham alias Actress auf der Suche nach Geheimnissen – nach den Sounds, den subtilen Rhythmen und geisterhaften Melodien, die so eben nur in einem Actress-Stück Sinn ergeben. Sein neues Album „Radical Frame“ stellt der Engländer ins Zeichen der Schwarzen Avantgarde – einem Aspekt der Kunst also, der trotz seiner fundamentalen Bedeutung bis heute gern übersehen wird. Dabei muss sich Cunningham gar nicht explizit auf Pionier:innen berufen, denn seine eigene Laufbahn – vom Fußballspieler, der wegen einer Verletzung in die Musik gewechselt ist, zum gefeierten DJ, Produzenten, Komponisten, Maler und Schriftsteller – ist sich selbst das beste Beispiel. Denn kaum jemand in der doch sehr experimentellen Elektro-Szene Londons ist so radikal seinen eigenen Weg gegangen wie er selbst.
„Radical Frame“ erscheint 18 Jahre nach dem Debüt „Hazyville“ – Actress’ Diskografie wird volljährig. Da ist es nur folgerichtig, dass das neue Album alle bisherigen Aspekte seiner Musik in sich vereinigt: mal sperrig, mal schwebend, mal zornig, mal zerbrechlich, und trotz der Verankerung in britischer Dance-Geschichte immer unvorhersehbar. Allein, dass Actress Klavierakkorde in seinen Tracks verwenden kann, ohne dass es komplett überholt oder kitschig klingt, ist Beweis für seine Einzigartigkeit. Auch Cunninghams Humor schimmert durch, immerhin ist das hier ein Album, auf dem der kürzeste Track („Gimme tha fuckin’ Money Man“) nur fünf Sekunden dauert, der längste (Closer „Sheets“ mit Rainy Miller) dafür mehr als 16 Minuten, die in einem Outro aus Ambient und Meeresrauschen verklingen. Die Gäste, so auch Casisdead in „Live by you“, hinterlassen ihre eigene Handschrift, doch Cunningham vereinnahmt sie, verwandelt sie in Geister, die durch seinen eigenen Kopf spuken. Der Begriff Avantgarde ist groß – aber für Actress einmal mehr absolut gerechtfertigt.
Musik


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