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Musik

Bonobo im Interview: Raus aus dem Hamsterrad

Nach 25 Jahren als Bonobo laufen Simon Greens Songs auf TikTok schon als Klassiker. Hat er deshalb gerade sein letztes Album aufgenommen?

Bonobo schaut in die Ferne.
Bonobo spricht im Interview mit Kulturnews über sein neues Album „Distance in Static“. (Foto: Ryohei Ambo)

Simon, dein Debüt „Animal Magic“ ist im Jahr 2000 erschienen. Wie blickst du heute auf dieses Vierteljahrhundert zurück?

Simon Green: Ich glaube, ich habe mich für „Distance in Static“ zum ersten Mal mit meiner eigenen Geschichte auseinandergesetzt. Das hatte ich bisher eher vermieden. Aber jetzt stehe ich an einem Punkt, an dem sich mein ganzer Ansatz, wie ich Musik mache, verändern könnte. Ich habe das Gefühl, nichts mehr beweisen zu müssen. Vorher habe ich mich immer gefragt, was ich als nächstes machen muss, was ich zu sagen habe, wie sich meine Musik zu dem verhält, was sonst so passiert. Dieses Mal habe ich einfach Musik gemacht, die sich gut anfühlt.

Dazu passt, dass du mittlerweile Fans hast, die noch gar nicht am Leben waren, als deine ersten Alben rausgekommen sind.

Green: Stimmt, es gibt Leute in ihren 20ern, die Musik aus der Vergangenheit wiederentdecken, und die ersten Sachen, die ich gemacht habe, sind schon Teil davon. Sie stoßen dank irgendwelcher Algorithmen oder im Plattenladen auf meine Musik. Ich finde das generell total spannend, die Kids auf TikTok, die anderen die frühen Jahre von IDM erklären und über Aphex Twin und Autechre reden. Und damit machen sie eigentlich, was wir damals auch gemacht haben – der Kreis schließt sich also.

Gehst du selbst noch oft in den Plattenladen, um da nach Material zu suchen?

Green: Früher habe sehr viel Vinyl gekauft, damals war das Touren vor allem eine Ausrede, um durch Plattenläden zu stöbern. Aber ich glaube, mittlerweile haben wir fast alles archiviert, es gibt nicht mehr viel zu entdecken. Ich denke da zum Beispiel an City Pop, der ja vor ein paar Jahren im großen Stil wiederentdeckt wurde: Das meiste davon war gar nicht so gut, aber die Leute sind einfach besessen davon, vergessene Schätze zu heben. Trotzdem gibt es noch viel zu entdecken – nur nicht unbedingt im Plattenladen. Auf diesem Album habe ich zum Beispiel Samples von iranischer Volksmusik genutzt, die aus einem Archiv der Caltech Universität stammen.

Du verwendest gern Samples aus aller Welt, was deiner Musik einen grenzenlosen, interkulturellen Charakter gibt. Hast du eine Faszination für exotische Sounds?

Green: Für mich kommt der Klang immer als erstes. Ich interessiere mich für Instrumente und Geräusche, die ich so noch nicht gehört habe. Aber oft nehme ich gar nicht unbedingt globale Instrumente auf, sondern manipuliere einfach den Sound, bis er sich von der westlichen Tradition entfernt. Trotzdem liebe ich es, spannende Sounds aus Kulturen zu verwenden, die mir eher fremd sind.

Du hast eingangs gesagt, du wirst deinen Ansatz vielleicht komplett verändern. Stimmt es also, dass das hier dein letztes Album ist?

Green: Aktuell weiß ich einfach nicht, was als nächstes kommt – und zum ersten Mal versuche ich auch gar nicht, darüber nachzudenken. Ich renne jetzt seit 25 Jahren in diesem Hamsterrad: ein Album aufnehmen, bewerben, touren, dann wieder von vorne. Jetzt versuche ich, einfach mal auszusteigen und zu machen, was sich gut anfühlt.

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