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John Martyn: Couldn’t love you more

Olle Kamellen? Indiz 1: kein neuer Song unter den 15 Titeln dieser CD; Indiz 2: John Martyn ist so alt, dass ihn bereits die wuselig gen Zukunft lärmenden Endsiebziger als BOF (boring old fart) hätten abtun können. Dass es den Schotten (künstlerisch) trotzdem noch gibt, liegt schlicht an seiner musikalischen Integrität. Er ist ein Songschreiber und Musiker, wie es nur wenige gibt. Seine sphärisch-jazzigen Echo-Experimente auf der Gitarre, die der Ex-Folkie live zu hypnotischen Trips ausufern ließ, beeinflussten Legionen von Gitarreros. Und er war der Pionier, der die breite Brücke schlug von keltischem Folk zu US-Soul und -Jazz. Doch so sehr seine Kollegen ihn schätzten, so sehr ignorierte ihn das Publikum.

John Martyn auf „Couldn’t love you more“: Der ewige Geheimtipp

Martyn blieb der personifizierte Geheimtip, seine Lorbeeren ernteten andere – etwa Eric Clapton für „May you never“. Bis jetzt. Diese CD könnte alles ändern. Seine schönsten Balladen hat er, unterstützt von Fans wie Phil Collins oder David Gilmour, neu eingespielt, sie gekleidet in Blue-Eyed-Soul-Arrangements von sanfter Tiefe, die sich durch Martyns inbrünstigen Gesang und eine filigrane Instrumentierung (incl. Es-ist-3-Uhr-früh-und-die-traurige-Whiskey-Bar-macht-gleich-zu-Saxofon) erst gar nicht in den Ruch der Seichtheit bringen. 15 olle Kamellen, die nunmehr auch dem soulsensiblen Publikum der Neunziger vorzüglich munden dürften. Die Zeit Martyns als unbekanntester Superstar der westlichen Hemisphäre muss jetzt vorüber sein. Ein für alle Mal.

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