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Thin White Buch

Buchcover „Bowies Bücher“ von John O’Connell

Eine Bowie-Autobiografie in Form einer vom Künstler selbst kuratierten Bücherbestenliste, medientauglich wie eh und je im Hunderterpack. Braucht es das? Vermutlich nicht, wie der Selbstversuch beweist: Nimmt man die Assoziationen, die das Konzept unweigerlich hervorruft, und stellt sie dem tatsächlichen Produkt von Autor John O’Connell gegenüber, bleiben kaum Überraschungen.

Camus und Kerouac tauchen auf, klar, und Anthony Burgess’ „A Clockwork Orange“ ist Bowies selbsternannter Schlüsselroman. So weit, so vorhersehbar. Dass John O’Connell aus diesem vom Künstler nicht zu knapp durchdramatisierten Referenzrahmen noch sehr viel Spannendes herauszulesen vermag, liegt nicht zuletzt an O’Connells spürbarer Leidenschaft für Bowies Werk.

Am spannendsten sind „Bowies Bücher“ nämlich da, wo der Autor den erwartbaren Pfad verlässt und sich der Fanboy-Detailanalyse hingibt. Doch ist es wohl genau diese Grundsympathie, die den Blick für die wirklich interessanten und wichtigen Themen verstellt. Wie kann es sein, dass Nabokovs „Lolita“ auf Bowies Liste auftaucht, ohne dass ein kritischer Blick auf sein Verhältnis zu minderjährigen Groupies folgt? Wie können die okkulten und faschistoiden Texte ausgespart werden, mit denen sich Bowie in den 70er-Jahren befasst hat und die seine neben Ziggy Stardust medienwirksamste Figur, den Thin White Duke, maßgeblich mitgeprägt haben?

Eine kritischere Auseinandersetzung wäre wünschenswert gewesen – und gerade ein begabter Essayist wie O’Connell hätte sie liefern können.