KitKatClub – Kinks of Berlin im Kino: Kink und Konsens
Der KitKatClub ist seit 1994 eine Institution Berlins. Regisseur Philipp Fussenegger hat für seine Doku erstmals die Erlaubnis erhalten, dort zu filmen.

Der KitKatClub ist eine Größe des Berliner Nachtlebens, um die sich zugleich zahlreiche Mythen ranken. 1994 von Erotik-Regisseur Simon Thaur und Kirsten Krüger gegründet, versteht er sich als sexpositiver Raum, in dem Gäste nicht nur feiern, sondern vor allem sie selbst sein können. Kameras sind verboten – im Normalfall. Regisseur Philipp Fussenegger gibt in seiner Schwarz-Weiß-Doku „Kinks of Berlin“ nun Einblicke in das bunte Treiben hinter den verschlossenen Türen. Im Vordergrund stehen die unterschiedlichen Protagonist:innen, und hier liegt die Stärke des Films. Egal, ob wir Drag Artist Raven van Krueger, Bodypainting-Künstlerin Hottie oder BDSM-Paar Vici und Marvin zusehen und zuhören: Alle werden als ganz normale Menschen gezeigt, die eben Stammgäste oder Künstler:innen eines Fetischclubs sind. Das macht die Erzählweise sehr nahbar und enttabuisiert eine Szene, die bei vielen Berührungsängste auslöst.
Ein fader Nachgeschmack bleibt, weil die Kontroversen um den Club kaum erwähnt werden: Vermehrt soll es dort in den letzten Jahren zu sexuellen Übergriffen und Diskriminierung gekommen sein. Zudem durfte Rammstein-Frontmann Till Lindemann nach den Anschuldigungen gegen ihn ungestört im KitKat feiern. Nur eine Szene, in der sich zwei Frauen über ihre Erfahrungen mit übergriffigen Männern austauschen, lässt etwas von dieser Dimension erahnen. Fussenegger wollte mit seinem Film vor allem eine Hommage an das KitKat erschaffen, was ihm zum Teil auch gelungen ist. Wichtige Fragen nach Konsens, nach körperlicher Selbstbestimmung und danach, wie ein Safe Space aussehen sollte, bleiben jedoch unbeantwortet.
Film

Sehenswert

Das gewisse Etwas im Kino: Ziemlich falsche Freunde

That’s why the Lady is a Champ im Kino: Herstory

Familiengeheimnisse erschüttern die heile Welt einer Gemeinde
