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Dignified Native

Buchcover „Stadt, Land, Raub“ von Marcie Rendon

Wem kann man noch vertrauen? Die 19-jährige Renee „Cash“ Blackbeard hat schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, sodass sie sich nicht leichtfertig in Abhängigkeiten begibt oder feste Freundschaften sucht. Als Native American wurde die Heldin von Marcie Rendon als Kind zwangsadoptiert, durch mehrere Familien gereicht und dabei von übergriffigen Pflegevätern gedemütigt und geschlagen. Nur Sheriff Wheaton hat ihr beim Sprung in ein selbstbestimmtes Leben geholfen. Jetzt – Anfang der 1970er Jahre – hat die ungesellige Cash eine eigene Wohnung und besucht das College in Fargo. Dank ihres fotografischen Gedächtnisses ist sie vom Grundstudium unterfordert, kann nachts für den Unterhalt Rübenlaster fahren und nimmt sich Zeit für Poolbillard und den Judokurs. Als eine Kommilitonin verschwindet, spürt Cash intuitiv, dass diese in großer Gefahr ist und sie sich auf die Suche begeben muss – denn auch weiße Mädchen sind von Missbrauch und moderner Sklaverei bedroht. Doch kann sie bei gefährlichen Konfrontationen auf Sheriff Wheaton und ihren plötzlich wieder aufgetauchten Bruder Mo zählen? Marcie Rendon – selbst Angehörige der indigenen White Earth Anishinaabe Nation – findet auch mit ihrem zweiten Cash-Krimi zu einem ganz eigenen Sound. Die Identitätssuche ihrer Protagonistin zeichnet sie unaufgeregt, aber enorm spannend: Mit ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden kämpft Cash gegen Ungerechtigkeiten und Gewalt an, die sie auch selbst erlitten hat. Damit bringt die taffe Heldin uns nicht nur die Auswirkungen der Verbrechen an der amerikanischen Urbevölkerung näher, sondern reift zur eigenwilligsten Ermittlerfigur des Hardboiled-Genres.

Mit „Stadt, Land, Raub“ hat es Marcie Rendon auf unsere Liste der besten Krimis im Dezember 2020 geschafft.

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