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Die besten Krimis 2020: Empfehlungen für den Dezember

Buchcover: Die besten Krimis im Dezember 2020

Die Vorweihnachtszeit mag stressig sein, doch wenn die Feiertage dann erst mal da sind, hat es zum Ausgleich so viel Zeit für spannende Krimis wie sonst selten im Jahr. Wer überdrehte Thriller, durchgeknallte Typen und vor allem blutige Sauereien schätzt, kommt in diesem Monat an Nick Kolakowski nicht vorbei – und natürlich steht „Love & Bullets“ auch auf unserer Liste der besten Krimis im Dezember 2020. „Capitana“ von Melissa Scrivner Love besticht durch eine Heldin, die blitzschnell von zart auf hart umschalten kann: Hat Lola Vasquez ihre kleine Tochter zur Schule gebracht, verwandelt sie sich in die abgebrühte Leaderin der Drogengang Crenshaw Six. Andreas Winkelmann schafft es auch unter seinem Pseudonym Frank Kodiak auf unsere Liste der besten Krimis im Dezember 2020: In „Amissa – Die Verlorenen“ stoßen die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius bei ihrer Suche nach vermissten Teenagern auf Hinweise, die zu einer weltweit agierenden Hilfsorganisation führen. Doch wer führt unsere Liste der besten Krimis im Dezember 2020 an? Marcie Rendon, selbst Angehörige der indigenen White Earth Anishinaabe Nation, hat gute Chancen, denn mit „Stadt, Land, Raub“ schreibt sie die Identitätssuche ihrer 19-jährigen Heldin Renee „Cash“ Blackbeard fort. Oder geht der Titel an Denise Mina? In ihren Glasgow-Krimis erzählt Mina nicht nur von der Suche nach Verbrechern – und auch in „Götter und Tiere“ steckt hinter jeder Tat noch viel mehr …

7. M.R.C. Kasasian Betty Church und der Schrecken von Suffolk

Im Jahr 1939 findet man in einem englischen Küstenort einen Toten mit Stichen am Hals – doch die junge Inspektorin Betty Church glaubt nicht an Vampire.

Atlantik, 2020, 544 S., 18 Euro

Aus d. Engl. v. Alexander Weber u. Johannes Sabinski

6. Frank Kodiak (Andreas Winkelmann) Amissa. Die Verlorenen

Auch unter seinem Pseudonym Frank Kodiak schafft es Andreas Winkelmann auf unsere Liste der besten Krimis im Dezember 2020: Die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius stoßen bei ihrer Suche nach vermissten Teenagern auf Hinweise – die zu einer weltweit agierenden Hilfsorganisation führen.

Droemer, 2020, 400 S., 10,99 Euro

5. Valentine Imhof Aus lauter Zorn

Nach erlittener Vergewaltigung versucht Musikjournalistin Alex durch Tattoos am ganzen Körper und Morde ihre Selbstbestimmung wiederzuerlangen.

Polar, 2020, 320 S., 22 Euro

Aus d. Franz. v. Roland Vouillé

4. Nick Kolakowski Love & Bullets

„Reißt mir die Fingernägel raus, schneidet mir die Nüsse ab, aber bitte nicht Coldplay.“ Das sehen wir genauso. Gewisse Grenzen sollten selbst sadistische New-York-Mobster einfach nicht überschreiten! Dabei sind die natürlich zurecht stinkig auf ihren Gangsterkumpel Bill, der sich rattenfrech ein paar Mille aus der Syndikatskasse schnappt hat und zusammen mit Freundin Fiona durchbrennt. Zur Freude aller, die überdrehte Thriller lieben, kommt es zu einer aberwitzigen Verfolgungsjagd quer durch Amerika, bei der sich durchgeknallte Typen bizarre Gemetzel liefern – und eine blutige Sauerei von der nächsten übertroffen wird.

Suhrkamp, 2020, 427 S., 11 Euro

Aus d. Engl. v. Stefan Lux

TOP3

3. Marcie Rendon Stadt, Land, Raub

Die besten Krimis im Dezember 2020 Marcie Rendon „Stadt, Land, Raub“Wem kann man noch vertrauen? Die 19-jährige Renee „Cash“ Blackbeard hat schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, sodass sie sich nicht leichtfertig in Abhängigkeiten begibt oder feste Freundschaften sucht. Als Native American wurde sie als Kind zwangsadoptiert, durch mehrere Familien gereicht und dabei von übergriffigen Pflegevätern gedemütigt und geschlagen. Nur Sheriff Wheaton hat ihr beim Sprung in ein selbstbestimmtes Leben geholfen. Jetzt – Anfang der 1970er Jahre – hat die ungesellige Cash eine eigene Wohnung und besucht das College in Fargo. Dank ihres fotografischen Gedächtnisses ist sie vom Grundstudium unterfordert, kann nachts für den Unterhalt Rübenlaster fahren und nimmt sich Zeit für Poolbillard und den Judokurs.

Als eine Kommilitonin verschwindet, spürt Cash intuitiv, dass diese in großer Gefahr ist und sie sich auf die Suche begeben muss – denn auch weiße Mädchen sind von Missbrauch und moderner Sklaverei bedroht. Doch kann sie bei gefährlichen Konfrontationen auf Sheriff Wheaton und ihren plötzlich wieder aufgetauchten Bruder Mo zählen? Marcie Rendon – selbst Angehörige der indigenen White Earth Anishinaabe Nation – findet auch mit ihrem zweiten Cash-Krimi zu einem ganz eigenen Sound.

Die Identitätssuche ihrer Protagonistin zeichnet sie unaufgeregt, aber enorm spannend: Mit ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden kämpft Cash gegen Ungerechtigkeiten und Gewalt an, die sie auch selbst erlitten hat. Damit bringt die taffe Heldin uns nicht nur die Auswirkungen der Verbrechen an der amerikanischen Urbevölkerung näher, sondern reift zur eigenwilligsten Ermittlerfigur des Hardboiled-Genres.

Ariadne, 2020, 238 S., 13 Euro

Aus d. Engl. v. Jonas Jakob

2. Melissa Scrivner Love Capitana

Die besten Krimis im Dezember 2020 „Capitana“ von Melissa Scrivner LoveErst die Tochter zur Schule bringen, dann kaltblütig Gangster niedermetzeln: Lola Vasquez schaltet blitzschnell von zart auf hart. Sie ist zugleich liebevolle Pflegemutter der kleinen Lucy und abgebrühte Leaderin der Drogengang Crenshaw Six in einem Vorort von Los Angeles. Dass die zierliche 28-Jährige permanent unterschätzt wird, ist ihr Trumpf und Handicap zugleich. Mit Cleverness hat sich die Latina die Führung der Gang von ihrem Freund gekrallt, muss sich aber immer wieder gegen die raubeinigen Kerle ihrer Truppe behaupten. Dies gelingt ihr mit einem Mix aus Kumpelei und rigorosem Führungsstil. Krimiautorin Melissa Scrivner Love spielt mit den Machoattitüden des Drogenbiz, wenn sie Lola zum eigenen Vergnügen auch mal einen ihrer Boyz zum Vögeln herauspicken lässt. Lola trägt – anders als die meisten männlichen Gangleader im Drogenthrillergenre – soziale Verantwortung für ihre Hood und hilft ihnen aus so mancher Schieflage.

Im zweiten Band der genial gegen Klischees gedrehten Serie kämpft sie weiter gegen ihren härtesten Gegner: das übermächtige Rivera-Kartell, welches sie im Verteilungskampf um Einflussgebiete in die Schranken weisen will. Deswegen hat Lola einen Deal mit Staatsanwältin Andrea geschlossen, der ihre Macht stärkt. Im Krieg mit dem Kartell haben die Crenshaw Six zwar das Überraschungsmoment auf ihrer Seite, doch ist Lolas Bruder Hector ein unberechenbares Risiko: Der Rivera-Boss fordert Lola auf, ihm Andrea auszuliefern, damit im Gegenzug Hector aus dem Gefängnis freikommt. Lola kann der Zwickmühle nur entkommen, indem sie eine gnadenlose Entscheidungen trifft …

Suhrkamp, 2020, 330 S., 15,95 Euro

Aus d. Engl. v. Sven Koch u. Andrea Stumpf

1. Denise Mina Götter und Tiere

Die besten Krimis im Dezember 2020 Denise Mina „Götter und Tiere“Es hält sich das Gerücht, die meisten Leute in Glasgow kennen jemanden in ihrem Umfeld, der irgendwie in ein Verbrechen verwickelt ist. Die schottische Schriftstellerin Denis Mina trägt mit ihren Kriminalromanen nicht gerade dazu bei, diese Behauptung zu widerlegen. In der bislang fünfteiligen Reihe mit ihrer Detective Sergeant Alex Morrow ist jetzt auch der bislang fehlende dritte Band in deutscher Übersetzung erschienen. Mina lässt darin mehrere Erzählstränge parallel laufen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben: Während eines Überfalls auf eine Postfiliale bekommt der brutale Täter unerwartet Hilfe von einem älteren Mann, der zuvor seinen kleinen Enkel einem Fremden anvertraut hat. Trotzdem erschießt der Verbrecher den Mann kaltblütig mit seinem Maschinengewehr. Zwei junge Polizisten nehmen bei einer Verkehrskontrolle einem Kleingangster eine Tüte mit Geld ab und behalten es für sich. Ein Politiker der Labour-Party versucht nach einer aufgeflogenen Affäre mit einer 17-Jährigen verzweifelt seine Ehe und die Karriere zu retten. Und Alex Morrow will sich lieber um ihre gerade geborenen Zwillinge kümmern als um ihren zwielichtigen Halbbruder Danny, der sich ausgerechnet als Geldwäscher für eine Drogenbande profiliert.

Denise Mina ist eine Meisterin darin, in verschiedene Gesellschaftsschichten zu blicken, um die Geschehnisse dann kunstvoll zusammenzuführen. Das gelingt ihr nicht zuletzt mit lebensnahen Figuren. Im Mittelpunkt steht ihre rigide Detective Morrow, die sich als Vorgesetzte immer wieder in der von Männern dominierten Polizei behaupten muss. Mina zeichnet ein Portrait Glasgows der 2010er-Jahre, welches exemplarisch zeigt, dass eine Stadt immer auch eine Schicksalsgemeinschaft ist. Hoffnungen und Chancen können in ihr jederzeit durch chaotische, ungerechte oder brutale Ereignisse zunichte gemacht werden. Vor allem dann, wenn sich diese durch organisierte Kriminalität zuspitzten, die von Korruption und politisch verursachten sozialen Gefällen befeuert wird. Minas außergewöhnliche Romane sezieren, wie abhängig jeder von seiner direkten Umwelt ist – und wie schließlich der Zufall gnadenlos die Entscheidung über Leben oder Tod fällt. So steht „Götter und Tiere“ von Denise Mina ganz oben auf unserer Liste mit den besten Krimis im Dezember 2020.

Ariadne, 2020, 349 S., 21 Euro

Aus d. Engl. v. Karen Gerwig

 

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