MUSIK

Maridalen: Feiern im Strandkorb

Maridalen veröffentlichen ihr Debütalbum
Foto: Jazzland Recordings

In diesem Jahr werden die norwegischen Jazzland Recordings sagenhafte 25 Jahre alt. Im August feiert Labelgründer Bugge Wesseltoft mit einem Konzert in Oslo, bei dem Labelveteran*innen wie Håkon Kornstad auftreten – und natürlich Rymden, das Trio, bei dem Wesseltoft selbst am Piano sitzt. Doch die Osloer Firma schaut auch nach vorn: Gerade ist bei Jazzland das Debütalbum von Maridalen erschienen. Jazztrios mag es geben wie Sand am Meer – welche ohne Schlagzeug oder Klavier sind dagegen so selten wie ein freier Strandkorb. Die drei Norweger Anders Hefre (Saxofon), Jonas Kilmork Vemøy (Trompete) und Andreas Rødland Haga (Kontrabass) sind die neuesten Mitglieder dieses exklusiven Klubs. Eigentlich haben sie sich ursprünglich nur einen Proberaum geteilt, doch schon bald wurden ihnen ihre musikalischen Gemeinsamkeiten bewusst. Und weil in dem Zimmer offenbar kein Platz für ein Drumkit war, klingen Maridalen jetzt eben so, wie sie klingen. Nicht nur die Percussion, auch jegliche inszenierte Virtuosität oder modalen Tricksereien hat das Trio aus seinem Sound verbannt. Die einfachen Linien, die den Kern vieler Stücke auf dem Debüt ausmachen, werden oft von Hefre und Kilmork gedoppelt, während Rødland einen geruhsamen Rhythmus darunter legt. Ein Gespür für Melodik verhindert dabei, dass dieser nordische Minimalismus streng oder sperrig klingt. Stattdessen wollen Maridalen die Schönheit und den Frieden der Natur einfangen: Ihr Name bezieht sich auf ein abgelegenes Tal nördlich von Oslo, in dem sie das Album an zwei Sommertagen aufgenommen haben. Entsprechend geht der Opener „Koral“ auch mit Vogelgezwitscher los. Wenn es nicht Jazz wäre, könnte man dieses Debüt auch fast unter Ambient einordnen. Denn obwohl die elektronischen Effekte und das weiße Rauschen ausbleiben, eignet sich „Maridalen“ hervorragend dazu, im Hintergrund zu laufen, während man in der Sonne döst. Dass auch Maridalen selbst nichts gegen diesen Ambient-Vergleich haben, beweist der Closer „Urverket“. Auf dem wird mit Klavier und Glockenspiel nicht nur der Minimalismus aufgebrochen – er endet auch in hallenden Klangnebeln, die Brian Eno mit Stolz erfüllen würden.

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