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„Meine Freunde“ von Hisham Matar

Portraitfoto des Pulitzer-Preisträgers Hisham Matar, der den neuen Roman „Meine Freunde“ veröffentlicht
(Foto: Diana Matar)

Drei junge Libyer protestieren 1984 vor der Londoner Botschaft ihres Landes gegen die Diktatur Gaddafis: Das hat Folgen für ihr ganzes Leben, wie Pulitzer-Preisträger Hisham Matar in „Meine Freunde“ beklemmend erzählt.

„Meine Freunde“ von Hisham Matar ist unsere Buchempfehlung der Woche

Als Khaled in den 80ern zum Studium nach Großbritannien reist, ahnt er noch nicht, dass er viele Jahrzehnte nicht nach Libyen zurückkehren wird. Nach der Teilnahme an einer Demonstration, bei der plötzlich geschossen wird, hat es das Gadaffi-Regime auf ihn abgesehen. In Zeiten, wo regimekritische Journalisten selbst in London um ihr Leben fürchten müssen, eine überaus reale Gefahr. Um seine Familie nicht zu gefährden, tut Khaled so, als wolle er schlicht in England bleiben. Nach und nach baut er sich ein Leben auf. Nicht nur als Dozent für Literatur, sondern vor allem dank seiner Freund:innen: seiner besten Freundin Rana, seinem Kommilitonen Mustafa, der bei derselben Demo verletzt wurde wie er selbst, und dem Schriftsteller Hosam, dessen Texte überhaupt erst seine Liebe zur Literatur geweckt haben. Doch als der Arabische Frühling beginnt, werden Mustafa und Hosam ruhelos, sie wollen zurück in die Heimat und dort für die Freiheit kämpfen. Und Khaled muss sich fragen, was sein Leben im Exil bedeutet – und welches Land ihm mittlerweile fremder ist.

Geduldig und nachdenklich erzählt Hisham Matar, selbst seit vielen Jahren in England wohnhaft, von einer Ausnahmesituation, die langsam, aber sicher zur Routine wird, und von Familie und Liebe im Schatten eines brutalen Regimes. Und er erzählt, so poetisch und einfühlsam wie selten, von einem in der westlichen Welt noch immer unterrepräsentierten Thema: der Freundschaft zwischen Männern. Wunderschön ist dabei, wie viel Verwundbarkeit, Tränen und Tiefe Matar seinen Figuren zugesteht. Dass die Rahmenhandlung im Kopf des Khaleds der Gegenwart spielt, der vom Bahnhof nach Hause geht, nachdem er seinen Freund Hosam gerade womöglich zum letzten Mal verabschiedet hat, verleiht dem Roman sowohl eine reflektierte Perspektive als auch eine bittersüße, nostalgische Grundnote.

Hat es Hisham Matar mit „Meine Freunde“ auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft?

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