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Mit „Serge“ gibt Autorin Yasmina Reza erstmals öffentliche Lesungen

Buchcover von Yasmina Rezas „Serge“ zeigt gezeichnete Familie an Essenstisch.
Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza veranstaltet mit „Serge“ ihre ersten Lesungen überhaupt.
  • Die gefeierte Schriftstellerin und Theaterautorin Yasmina Reza kommt mit ihrem aktuellen Roman „Serge“ auf Lesereise.
  • „Serge“ kam im Januar 2022 heraus und schaffte es auf Platz eins der Spiegel-Bestseller.
  • Vom 14. bis 16. Mai stellt Reza den Roman bei drei Lesungen in Hamburg, Berlin und München vor.

Yasmina Reza begann ihre Schriftstellerinnen-Karriere in den späten achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Vor allem im Theater wurden ihre Stücke international gefeiert, sodass 2011 mit „Der Gott des Gemetzels“ sogar ein Stück von ihr verfilmt wurde. Trotz ihres Erfolgs war Reza nie groß in der Öffentlichkeit präsent. Mit „Serge“ möchte die französische Autorin das nun ändern und bietet im Mai drei Lesungen in Deutschland an. Am Ende des Artikels findest du die Veranstaltungsorte und Links zu den Ticketverkäufen.

In „Serge“ schreibt Reza über die jüdische Familie Popper, die in Paris lebt. Marta Popper ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und inzwischen mehrfache Oma. Sie ist es, die die chaotische Familie zusammenhält – doch was ist die Familie Popper ohne ihre Maman, ohne ihre Omi, ohne ihr Familienoberhaupt …

Die Kuddelmuddelkiste

Die „Kuddelmuddelkiste“, Familie Popper, sitzt am allsonntäglichen Mittagstisch. Sie essen zusammen, doch eine Einheit sind sie nicht. Da ist der Ich-Erzähler Jean, der immer alleine daherkommt. Dann noch seine Schwester Nana mit ihrem spanischen Mann und den Kindern, die wirken wie ein unangenehmes Anhängsel: die nervige kleine Schwester eben mit ihrer überambitionierten Familie. Der Dritte ist Bruder Serge: Er hat seine Tochter mitgebracht, die offenbar ihre jüdische Vergangenheit durch einen Besuch im Konzentrationslager Auschwitz verstehen möchte, jedoch in klischeehaft genervter Teenagermanier ihren Vater zermürbt. Und dann ist da noch Maman, Marta Popper, die den ganzen Zirkus zusammenhält.

Fast harsch bemerkt sie, dass keiner sich nach ihrer letzten Kontrolluntersuchung erkundigt hat. Die Schroffheit lässt ihre Sorge vermuten, dass ihr Leben nun in den verschiedenen Stadien des Krebses vorübergeht. „Tja, ich habe einen Schatten auf der Leber“, stellt sie in der groben Manier manch einer alten Dame fest. Ein Anlass für Jean, mit wütender Trauer über ihre letzten Stunden zu erzählen: „Das Pflegebett, dies Monster mitten in ihrem Schlafzimmer, katapultierte sie in den Tod“.

Die Familie verliert ihren Zusammenhalt, die Person, die alles „geschaukelt“ hat, wie die Enkelin es auf der Beerdigung ausdrückt. Und „natürlich [wird] nichts so sein wie zuvor“ und doch geht das Leben von Familie Popper irgendwie weiter. Angefangen mit einem gemeinsamen Besuch in Auschwitz, wo die Temperamente der Familienmitglieder erst richtig aufeinanderprallen …

Gefühlvoll trifft Yasmina Reza in „Serge“ die Eigenarten der verschiedenen Charaktere, die mal sympathisch, humorvoll und trocken, mal zermürbend, altklug und hochmütig daherkommen. Das Porträt der Familie Popper ruft genau deshalb vielleicht in jeder Leserin und jedem Leser eine unangenehme Familienfeier ins Gedächtnis oder erinnert daran, wie die Großeltern das Kuddelmuddel aus Meinungen und Eigenheiten zusammengehalten haben. Beim Lesen der geschickt geschrieben Zeilen überkommt einen dann auch mal der ein oder andere Schmunzler, oder auch mal ein Seufzer…

Der Hansa Verlag veröffentlichte den Roman im Januar, übersetzt aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel. Erhältlich ist „Serge“ über die Webseite vom Hansa Verlag oder auf Amazon.

Hier findest du Veranstaltungsorte und Ticketverkäufe für die Lesungen

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