Mother Tongue: Mother Tongue

Eins der fulminantesten Debüts aller Zeiten: vulkanisch, erregend und selbstbewusst. Eine Band mit Frühsiebziger-Furor, Neunziger-Härte und riesiger Zukunft. Der König lebt. In der Dornenhecke ihres Rock hockt die Geige wie ein Rehkitz: geborgen und gefährdet. Und mitten im wogenden Gestrüpp finden sich kleine flaumige Nester – wie kurze Tonausfälle in einem Film genau dann, wenn sowieso niemand spricht und man nichts verpaßt, dabei aber aufmerksamer wird für das, was noch kommt.
Ein Satz wie „The king is dead / and the people are cryin'“ etwa. Man muss hören, wie schockierend lapidar Christian Leibfried diese Zeilen rezitiert und ihnen damit eine nihilistischen Kniff gibt. Und man muss hören, wie er wenig später „Burn motherfucker burn!“ herauskotzt, um zu begreifen, dass wir es hier mit einem ganz Großen zu tun haben – auch als Gitarrist. Bei ihm jault die Elektrische, als hätten seit Hendrix‘ Tod nicht Legionen von Saitenwichsern ihre eklen Feedback-Eiterbeulen öffentlich ausgedrückt.
Bei Mother Tongue bricht der Lärm über Leibfrieds begnadete Soli herein wie ein Orkan – und immer wieder macht der Sturm kleine Pausen, um einem lyrischen Saitenflüstern Raum zu geben. Mother Tongue sind Debütanten, aber schon die dynamischte Band der Welt, die vehementeste seit Cream; Drummer Geoff Haba gurgelt mit Dynamit, und Leibfried wird der Rattenkönig des Rock.
Musik


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