„Nightsleeper“: Platte Dialoge, vorhersehbare Twists
Zwölf Passagiere sind im Nachtzug gefangen, der gehackt und ferngesteuert wird. Die Serie „Nightsleeper“ läuft jetzt Im Ersten und kann in der ARD-Mediathek getreamt werden.
Viereinhalb Stunden mit dem Nachtzug von Glasgow nach London zu fahren, dabei vielleicht ein nettes Getränk zu sich zu nehmen, mit anderen Gästen zu plaudern oder die gesamte Zugfahrt zu verschlafen, um dann in London aufzuwachen: Das hört sich eigentlich ganz idyllisch an. In der BBC-Serie „Nightsleeper“ wird allerdings genau dieses Szenario zum Albtraum, als die Steuerung des Zuges von Unbekannten gehackt wird und so die gefangenen Passagiere über die Gleise von Großbritannien rasen. Die sechsteilige Serie „Nightsleeper“ im Ersten ausgestrahlt und kann in der ARD-Mediathek gestreamt werden.
Alles beginnt mit einem Taschenraub kurz vor Abfahrt des Zuges, der vom ehemaligen Polizisten Joe Roag (Joe Cole, Peaky Blinders) zwar vereitelt wird, sich allerdings später als Ablenkungsmanöver für einen Hackerangriff herausstellt. Mit Hilfe eines eingeschmuggelten Computers wird so nicht nur der Zug von einem Unbekannten gelenkt, sondern auch die Verbindung zur Außenwelt gekappt. Als der Nachtzug im schottischen Motherwell zum Halten kommt, sieht es so aus, als wären alle gerettet, doch der Schein trügt: Durch unglückliche Zufälle bleiben zwölf Passagiere weiterhin im Zug gefangen, der seine Fahrt unkontrolliert Richtung London fortsetzt. Einer der Passagiere ist Joe, der versucht, sich und die anderen aus dieser gefährlichen Lage zu befreien, indem er unter anderem per Satellitentelefon mit Cyberexpertin Abby Aysgarth (Alexandra Roach, „Utopia UK“) spricht. Als Einsatzleiterin versucht sie zusammen mit ihrem Team, die Höllenfahrt zu beenden. Diese Aufgabe wird nicht einfacher, als sowohl eine Lösegeldforderung in Bitcoins als auch Hinweise darauf auftauchen, dass einer der eingesperrten Fahrgäste zu den Entführern gehört.
„Nightsleeper“: Wer ist der Verräter?
Die britische Serie „Nightsleeper“ von Drehbuchautor Nick Leather hat ihre spannenden Momente und einen gewissen Unterhaltungswert. Allerdings kann, wer mit Thrillerserien Erfahrung hat, viele Plots leicht vorhersehen. Wer mag zum Beispiel der von Interpol gesuchte Verbrecher sein, der sich im Zug befindet? A) Der Typ, der am Telefon seinen Namen zweimal nicht sagen will, oder B) jeder andere Passagier im Zug? Auch die Charaktere und Dialoge sind oft eher flach und aufgesetzt, was insbesondere bei den gefangenen Passagieren zu sehen ist. Stereotypisch gibt es dann beispielsweise eine nervige Journalistin, einen cholerischen Alkoholiker und einen draufgängerischen Bohrinselarbeiter (der natürlich zufällig ein Satellitentelefon dabei hat). Besonders Joe, den die Serie gerne zum großen Helden machen möchte, wirkt charakter- und emotionslos.