„Happy Valley“: In Halifax gibt’s nichts zu lachen
Das preisgekrönte britische Crime-Drama garantiert emotionale Tiefe: „Happy" ist hier gar nichts.
Im Zentrum von „Happy Valley“ (ab 28.5. in der Arte-Mediathek streamen) steht Sergeant Catherine Cawood (Sarah Lancashire). Sie hat noch längst nicht den Verlust ihrer Tochter durch Suizid verarbeitet, da kommt der vermeintlich verantwortliche Tommy Lee Royce (James Norton) aus dem Gefängnis. Catherine ist sich sicher, dass er der Vergewaltiger ihrer Tochter ist, doch der Fall wurde nie vollständig aufgeklärt. Als sie feststellt, dass er in die Entführung einer jungen Frau verstrickt ist, ist sie wild entschlossen, ihn wieder hinter Gitter zu bringen. Gleichzeitig fordert das Drogenproblem der Kleinstadt Catherines Aufmerksamkeit, ebenso wie ihre vom Verlust zerrüttete Familie. „Happy Valley“ spielt in der britischen Kleinstadt Halifax. Die Serie wechselt zwischen Catherines Perspektive und der der Entführer und entwickelt so ein Katz-und-Maus Spiel, bevor Catherine überhaupt von der Entführung erfährt.

Nebenfiguren gibt es viele, und an eigenen Problemen mangelt es denen nicht: Catherines kleiner Enkel Ryan hat keine Ahnung, dass Tommy Lee Royce sein Erzeuger ist, aber ihn überkommen in der Schule immer wieder Wutausbrüche, die in Catherine Befürchtungen wecken. Ihr Ex-Mann, ein Lokaljournalist, erträgt es nicht, Ryan um sich zu haben. Catherines Sohn hat den Kontakt weitestgehend abgebrochen, und ihre Schwester hat eine Vorgeschichte mit Drogen.
Kevin (Steve Pemberton), dem es bei der Arbeit an Wertschätzung fehlt, wendet sich an einen kriminellen Freund, um die Tochter seines Chefs für Lösegeld zu entführen, nachdem seine Bitte um eine Gehaltserhöhung abgelehnt wurde. Als die Entführung mehr und mehr außer Kontrolle gerät, sieht Kevin hilflos zu. Noch stärker lastet der Druck auf Mittäter Lewis (Adam Long) als er feststellt, dass Tommy im Rahmen der Entführung nicht dieselben Grenzen kennt wie er. Lewis Taten machen ihn überraschend menschlich und komplex. Selbst der unsympathische Vater der Entführten wirkt in seiner Angst zumindest authentisch, auch wenn seine Rolle in den ersten Folgen weniger von der Krimivorlage abweicht.

„Happy Valley“ wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit BAFTA Television Awards. So gewann Sarah Lancashire verdient den BAFTA in der Kategorie Best Leading Actress für die vielschichtige Darstellung der Hauptfigur: Sergeant Catherine Cawood besitzt einen herrlich trockenen, britischen Humor und vereint Gegensätze auf beeindruckend stimmige Weise. Auf der Arbeit ist sie abgebrüht und durchsetzungsstark, im Privatleben verletzlich und am Limit. Als die Grenzen zwischen Beruf und Privatem verschwimmen, trifft Catherine eigenwillige Entscheidungen, macht Fehler und muss mit den Konsequenzen leben. „Happy Valley“ klammert die Alltagsrealität der Polizei keineswegs aus. Der Titel kann nur als sehr trockener Sarkasmus bezeichnet werden, denn fröhlich ist an dieser Serie nichts.