„Oroppa“ von Safae El Khannoussi
In ihrem Debütroman „Oroppa“ zeichnet die marokkanische Autorin Safae El Khannoussi Europa als Ort der Unzugehörigkeit, als Zwischenstopp und als gastfeindliche Notlösung.
„Oroppa“ von Safae El Khannoussi ist unsere Buchempfehlung der Woche
Geht es dieser Tage um Europa, wird hoch oben ins Regal gegriffen: Rückgewinnung alter Stärke, geteilter Wertekanon, zivilisatorische Errungenschaften. Doch hinter jenen rhetorischen Pappaufstellern offenbart sich Düsteres: In solchen heroischen Erzählungen sind ganze Menschengruppen oft gar nicht erst mitgemeint. Gerade ihnen gilt es aber zuzuhören, will man ein ungeschöntes Bild von Europa zeichnen. Eines, das von Flucht und Diaspora geprägt ist, zerfasert und zerfranst – das absolute Gegenteil einer großen Ordnung.
Ein solches Bild zeichnet nun die marokkanische Schriftstellerin Safae el Khannoussi. Ihr in den Niederlanden umjubelter Debütroman „Oroppa“ ist eine Spurensuche, die durch Paris, Tunis und Casablanca führt und in deren Zentrum das Verschwinden einer in Amsterdam lebenden jüdisch-marokkanischen Malerin steht. Plot und Figuren sind so verworren, es ist unmöglich, diese adäquat wiederzugeben, und genau das ist der Punkt: Dieser ambitionierte, mitunter fast märchenhafte Roman entzieht sich jeder Linearität. Gerade erst etablierte Figuren werden fast fahrlässig wieder außer Acht gelassen; wir springen von einem marokkanischen Gefängnis der 80er-Jahre zu einem Saufgelage in einem Pariser Café der Gegenwart. Alles steht im Zeichen des Ausharrens und der Unzugehörigkeit. Europa als Zwischenstopp, als gastfeindliche Notlösung.
Mit „Oroppa“ hat es Safae El Khannoussi auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft.