MUSIK

Oscar Jerome: Breathe deep

Oscar Jerome Breathe deep

Wenn man der Londoner Jazzszene eines anrechnen muss, dann, dass sich durch ihr Mitwirken die Grenzen des Genres deutlich verschoben haben. Die Feststellung, dass HipHop-Beats in Kombination mit dreistimmigen Bläsersätzen durchaus geil sind, ist zwar alles andere als neu, aber selten davor wurde so stark darauf beharrt, dass das, was dabei herauskommt, immer noch Jazz ist.

Dass Oscar Jerome diese Entwicklung durchaus mitgetragen hat, bezeugt nicht nur sein Engagement in dem Afrobeat-Kollektiv Kokoroko, sondern auch Kollaborationen mit Big Names wie Shabaka Hutchings, Yussef Dayes oder Joe Armon-Jones. Wenn der südlich der Themse lebende Gitarrist auf seinem Solodebüt allerlei Einflüsse aus Rap, Soul und Funk unterbringt, entspricht das daher durchaus den Erwartungen. Überraschend hingegen ist die Vielseitigkeit, mit der sich Jerome auch als Sänger präsentiert.

Gleich auf dem groovenden Opener „Sun for Someone“ lotet er mit seiner Stimme den Raum zwischen Neo-Soul und Sprechgesang aus, während er auf „Give back what you stole from me“ gleich mehrere Schritte in Richtung Rap macht. Als Gitarrist hält sich Jerome wie gewohnt zurück. Wer Oscar Jerome vor allem von seiner Arbeit mit Kokoroko kennt, wird auf „Breathe Deep“ zahlreiche Anknüpfungspunkte finden. Vor allem auf „Gravitate“ ist der Afrobeat-Einfluss des Gitarristen nicht zu überhören – eine Gitarrenplatte ist das Album jedoch nicht. Viel eher ist das Instrument gleichberechtigt in das musikalische Gesamtgefüge eingebunden.

An diesem Punkt lässt sich auch eine deutliche Abkehr von akademischeren Spielweisen des Jazz erkennen: Der Kunstanspruch von „Breathe Deep“ basiert weder auf technischer Virtuosität noch einem Austesten der Extreme von Harmonie, Melodie oder Rhythmus. Viel eher überzeugt das Album mit einem komplexen, aber immer noch tanzbaren Groove – und eben darin begründet die Musik ihr Kommunikationsbedürfnis.