Possible Love im Kino: Der beste Film des Jahres?
Das neue Drama von Lee Chang-dong mag weniger explosiv sein als „Parasite“ – hätte aber genau so viele Oscars verdient.

Gibt es einen besseren lebenden Filmemacher als Lee Chang-dong? Nach dem Mystery-Thriller „Burning“ (2018), der nicht wenigen Kritiker:innen als einer der besten des 21. Jahrhunderts gilt, meldet sich der Regisseur mit dem oberflächlich simplen, aber unendlich facettenreichen Drama „Possible Love“ (in ausgewählten Kinos und ab 6. 11. bei Netflix) zurück. Damit setzt er sich mit demselben Thema auseinander wie zuletzt auch seine Kollegen und Landsmänner Bong Joon-ho und Park Chan-wook in Filmen wie „Parasite“ und „No other Choice“: die Arbeitskultur und den Klassenkampf im modernen Korea.
Dokumentarfilmerin Ye-ji (Cho Yeo-jeong) dreht einen Film über Ho-seok (Sol Kyung-gu), der bei einem Streik seinen Job verloren hat, und schließt Freundschaft mit Ho-seoks Frau Mi-ok (Jeon Do-yeon). Doch die Gräben zwischen dem Arbeiterpaar und der Regisseurin und ihrem schwerreichen Mann lassen sich nicht einfach wegwünschen. Das Szenario ist denkbar simpel, doch die komplexen Beziehungen zwischen den Figuren, zusammen mit einigen Rückblenden in ihre Vergangenheit, sorgen für beklemmende Spannung. Über fast drei Stunden schafft Lee so ein langsames, tiefsinniges Meisterwerk über die Konfrontation mit der Realität des Kapitalismus’. Nicht so bombastisch wie „Parasite“ – aber auf eigene Art genauso radikal.
Film

Sehenswert

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