MUSIK

Prince: Der Tresor wird ganz weit auf gemacht

Prince
PrinceFoto: The Prince Estate / Jeff Katz

Noch wirkt die Ankündigung von Warner für Prince-Fans wie ein riesiges Überraschungspaket, von dem man nicht genau weiß, was im September drin sein wird. Dann ist die Super Deluxe Edition des 1987er-Albums „Sign o’ the Times“ ganz frisch im Store. Bekannt ist: Das Doppelalbum „Sign o’ the Times“ wird erstmals digital remastert in der Box sein.

Prince in den 80ern mit Mega-Output

Doch die angekündigten weiteren 60 Tracks aus dem legendären Vault? Gestern wurde vorab die Single „Witness 4 the Prosecution (Version 1)“ veröffentlicht, ein Song, den Prince Ende 1986 auf einem Viereralbum mit dem Namen „Dream Factory“ rausbringen wollte – ein Vorhaben, das ihm die Verantwortlichen des Labels Warner ausgeredet haben. In die gleiche Phase fielen außerdem die Pläne, ein Dreieralbum namens „Crystal Ball“ auf den Markt zu bringen – auch das redete ihm das Label aus. Erst 1998 veröffentlichte Prince „Crystal Ball“ auf einem eigenem Label NPG Records.

„Sign o’ the Times“: der beste Kompromiss aller Zeiten

Es war nicht nur die kreativste Phase im Leben des Künstlers Prince, die späten 1980er waren auch seine beste Phase. Das Problem nur: Bei Warner wusste man nicht mehr, wie man diesen Output in den Griff bekommen sollte. Der Kompromiss: ein 80-minütiges Doppelalbum, das es in sich hatte. „Sign O’ The Times“ wurde fast auschließlich von Prince selber in dessen neuem Tonstudio in Minneapolis eingespielt. Die Songs führen alle Genres, die Prince in der Vergangenheit schon bedient hatte, in einer fulminanten Kargheit der Instrumentierung zusammen.

„Sign o’ the Times“ war nicht nur Liebling der Kritiker, das Doppelalbum war auch kommerziell erfolgreich – Prince auf dem Zenit seiner Karriere. Nach dem Zerwürfnis mit Warner brachte der Multiinstrumentalist auf seinem Label NPG Records ohne Rücksicht auf die Kaufkraft seine Anhänger Dreieralben wie „Emancipation“ oder „Crystal Ball“ heraus. Letzters war zunächst ein Dreieralbum, wurde aber längst um die Scheiben „The Truth“ und das Instrumentalalbum „Kamasutra“ erweitert.

Das großes Warten auf „Dream Factory“

Was also kriegen wir zu hören, wenn die Super Deluxe Edition mit wahlweise 13 Vinyl-Alben oder aber 8 CDs rauskommt? Wohl alles, was im Umfeld von „Dream Factory“ nicht veröffentlicht wurde und seitdem im legendären Vault in Prince’ Paisly Park in Minneapolis schlummert. 60 unveröffentlichte Tracks, die alle nicht veröffentlicht wurden, weil es schlicht zu viel in zu kurzer Zeit gewesen wäre.

Und: das einzige Konzert des Popstars mit dem Meister des Jazz, Miles Davis, in den Paisly-Park-Studios. Dort gibt es einen nicht zu kleinen Showroom, wohin immer wieder Fans des Inner Circle zu Konzerten eingeladen wurden. Als Audio-Bootleg kursierte das Konzert schon lange auf CD, jetzt kommt es auf DVD raus.