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qobuz-Tipp der Woche: „I built you a Tower“ von Death Cab For Cutie

Death Cab For Cutie
Death Cab For Cutie (Foto: Shervin Lainez)

Wenn euch im Wald ein Fremder überholt, schaut genau hin: Mit Glück ist es Ben Gibbard von Death Cab For Cutie.

Ben, was wäre wohl aus dir geworden, wenn ihr um die Jahrtausendwende herum nicht auf einmal groß rausgekommen wärt?

Ben Gibbard: Ich wollte immer Physiotherapeut werden, und ich denke, das hätte ich auch gemacht. Interessanterweise hat mich die Idee nie ganz losgelassen, und ich habe so vor drei, vier Jahren nochmal ernsthaft darüber nachgedacht. Aber der Zuspruch, den wir auf der 20-jährigen Jubiläumstournee bekommen haben, hat meinen Überlegungen den Wind aus den Segeln genommen. Ich habe erkannt, dass ich vermutlich keinen anderen Beruf außer dem jetzigen mehr ausüben werde.

Wie ist es umgekehrt, wenn man plötzlich merkt, dass man anständig von seiner Musik leben kann?

Gibbard: Ich kann mich noch sehr gut an unser erstes richtige Arena-Konzert erinnern, 1999 bei uns daheim in Seattle. Wir haben auf einem Festival namens Bumbershoot gespielt, waren schon am Nachmittag an der Reihe, und zwei Stunden später habe ich wieder in dem kleinen Appartement gehockt, das ich mir mit meiner damaligen Freundin teilte, und nach irgendwelchen Jobs geguckt, um mich finanziell über Wasser zu halten. Kurze Zeit später erhielt ich meine ersten nennenswerten Einnahmen, 4 000 Dollar. Damit hatte sich das mit dem Arbeiten erledigt.

Und warum Physiotherapeut?

Gibbard: Weil ein Physio Muskeln aktivieren kann, von denen du nicht wusstest, dass es sie gibt. Ich vertraue mich diesen Menschen gern an. Sie haben mich bislang immer wieder hinbekommen.

Du bist Dauerläufer, aber rennst nicht einfach nur handelsübliche Marathons, sondern nimmst an Ultraläufen über hundert Kilometer und mehr in bergigem Gelände teil. Was gibt dir dieser Extremsport?

Gibbard: Er macht mich glücklich. Der Endorphinrausch in den drei, vier Tagen nach einem Rennen ist gigantisch, außerdem liebe ich die Gemeinschaft, die einfach nur wundervoll ist. Ultrarunning ist einfach kein Sport, in dem Arschlöcher einen Platz haben. Du bist Stunde und Stunde da draußen, Dinge gehen unweigerlich auch mal schief, aber du weißt immer, dass die anderen dich unterstützen werden.

Wie hast du das Ultralaufen für dich entdeckt?

Gibbard: Ich bin als Kind bereits am liebsten in den Wäldern herumgerannt. Sport war mir immer wichtig, aber im Gym Gewichte zu heben und Cardio zu machen, während ich mir irgendeinen Podcast reinziehe, ist mir zu langweilig. Ich stehe darauf, den Körper wirklich zum Äußersten zu fordern und dabei noch was von der Natur zu sehen. Auch in Deutschland bin ich schon gelaufen, vor zwei Jahren beim „Transalpine Run“ über sieben Etappen von Garmisch bis nach Italien. Das war eine der besten Wochen meines Lebens.

Das neue Album „I built you a Tower“ arbeitet jedoch eine eher schwierige Phase deines Lebens auf, oder?

Gibbard: Kann man sagen. Während meiner Scheidung war das Studio der einzige Fluchtpunkt und Wohlfühlort, der mir blieb. Draußen war alles aus den Fugen, aber in diesem Raum konnte ich einfach schreiben. Das war unglaublich befreiend.

Wofür steht der Turm im Albumtitel?

Gibbard: Der Turm steht für das Ausblenden und Wegpacken des Schmerzes, um funktionieren zu können. Ich stand manche Abende auf der Bühne, nachdem ich kurz davor noch mit meinem Anwalt geschrieben hatte. Diese Lücke, wenn jemand aus deinem Leben verschwindet, wird nun mit der Zeit kleiner. Aber sie verschwindet nie ganz. Ein Teil von mir wird immer ein bisschen gebrochen bleiben.

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