„Racheflamme“ von Tina N. Martin
Für das Finale ihrer Idun-Lind-Serie lässt sich Tina N. Martin von einem vermeintlich harmlosen Genre inspirieren.
„Racheflamme“ von Tina N. Martin ist unser Krimitipp der Woche
Was sind wohl die letzten Empfindungen, wenn man bei vollem Bewusstsein in eine Wanne gelegt wird, die mit Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid gefüllt ist? Die schwedische Thrillerautorin Tina N. Martin imaginiert das gleich zu Beginn des Abschlussbands ihrer fünfteiligen Idun-Lind-Reihe verstörend anschaulich. Schauspielerin Tone wird da zischend und brodelnd durch das kritische Mischungsverhältnis der Piranha-Lösung mitten auf der Hauptbühne des Stadttheaters der nordschwedischen Stadt Luleå zersetzt. Weil diese gruselige Aufführung nachts ohne Publikum stattfindet und keine DNA mehr nachweisbar ist, kann auch nicht zweifelsfrei bestimmt werden, wer zu dieser stinkenden Brühe dahingeschmolzen ist.
Bestsellerautorin Martin wird natürlich weitere Taten folgen lassen, die im Umfeld des Ensembles geschehen und Idun Linds Team immer mehr unter Erfolgsdruck setzen. Ob mit Stahlseilen gekreuzigt und wie eine Vogelscheuche inszeniert, durch Feuer verunstaltet oder in eine Blechkiste gesperrt: Hier wird sadistisch abgerechnet und selbst mit Requisiten perfide gespielt. Was geschah damals in der Musical-Academy, mit der alle Opfer in Verbindung stehen? Und woher kommen die Ideen zu solch brutalen Hinrichtungen? Kenner merken schnell: Tina N. Martin lässt sich da von einem Kinderbuch-Klassiker anregen. Bühne frei also für allerfeinsten Skandi-Horror, an dem nicht nur Bastelfreaks mit Chemiekenntnissen ihren Gruselspaß haben dürften. Und Schlussapplaus für das Ermittlerteam! Doch der Vorhang hebt sich dann noch einmal für gemeine Rachepläne, die das Grauen fortsetzen …
Mit „Racheflamme“ hat es Tina N. Martin auf unsere Liste der besten Krimis im August 2026 geschafft