„Reykjavík Fusion“ Blut und Sauce
Im Zentrum der Serie „„Reykjavík Fusion“ steht Jónas, ein leidenschaftlicher Koch, der trotz seiner Gutmütigkeit eine Anziehungskraft für oganisierte Kriminalität an den Tag legt. Die isländische Serie läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.
Als Koch Jónas kurz vor der Entlassung aus dem Gefängnis steht, kocht er ein letztes Mal für die Mitinsassen. Er hat wegen Versicherungsbetrugs eingesessen, was wohl wahr ist, denn in Rückblenden sieht man ihn immer wieder mit einer überhitzten Pfanne und viel Öl die Küche in Brand stecken. Wieder frei, muss Jónas feststellen, dass er wegen seiner Vorstrafe weder kreditwürdig ist noch in einem Kindergarten kochen darf. Ein ebenfalls entlassener Mitinsasse streckt ihm Geld vor, und damit steckt Jónas wieder gewaltig in der Klemme. „Reykjavík Fusion“ wird bei Arte ausgestrahlt und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.
Jónas (Ólafur Darri Ólafsson, „The Tourist – Duell im Outback“) ist die Gutmütigkeit in Person. Beim Jugendamt versucht er das gemeinsame Sorgerecht für seine beiden Kinder zu bekommen, doch da er aus finanziellen Gründen nach der Entlassung noch bei seinem Vater wohnt und als sebständiger Betreiber eines Fusion-Restaurants keine festen Arbeitszeiten hat, sieht die Sache aktuell nicht gut aus. Dennoch will der Sohn so oft wie möglich mit seinem Vater kochen, und die Tochter büxt sogar bei der Mutter aus, um den Vater zu sehen. Schließlich darf sie im Restaurant als Servicekraft arbeiten. Was jetzt schon wie eine Familienserie daherkommt, ist aber nur die halbe Wahrheit.
„Reykjavík Fusion“: Vorne die Familie, hinten die Leiche voller Drogen
Denn noch vor der Eröffnung des Restaurants, als Jónas’ Vater, seine Ex samt Kindern und ihrem Neuen zum Probeessen vorne im Restaurant sitzen. versucht seine neue „Partnerin“ Marý (Hera Hilmar) im Zuge restaurantfremder Geschäfte einen Drogenkurier zum Kotzen zu bringen und filetiert in schließlich mit dem Fleischmesser der Küche, um an die Drogenbeutel zu gelangen. Von diesem Moment an vergeht kein Tag mehr, an dem nicht kriminelle Tätigkeiten mehr Filmzeit in Anspruch nehmen als Küche und Gastraum des Restaurants. Samúel Bjarki Pétursson und Gunnar Páll Ólafsson führten Regie bei „Reykjavík Fusion“ und hatten ein Faible für das Gegenschneiden von Küchentätigkeiten (Fleisch schneiden, auf die Teller legen und mit Sauce begießen) mit des Drogenkuriers und dem Kotzen von Bodypacks oder später mit dem Aufschneiden seines Bauches. Als die Leichenteils später in flüssigem Beton versenkt werden, kommen Assoziationen bereits von alleine. Um es kurz zu machen: Nach Sichtung von drei der insgesamt sechs Folgen ist noch nicht einmal ansatzweise klar, ob und wie Jónas mit der Entwicklung des Geschehens klarkommen soll. Seine Köchin Júlía (Unnur Birna Jónsdóttir Backman, „Disturbed“) will hinschmeißen, Rósa (Iðunn Ösp Hlynsdóttir, „Foundation“), die Tochter des Drogenkuriers, bringt Schulden mit ins Restaurant, die alles noch viel schlimmer machen, denn jetzt stehen Marý und Jónas durch zwei Banden des organisierten Verbrechens unter Druck. Als Jónas dann das gemeinsame Sorgerecht erhält, könnte die Situation kaum schlimmer sein. Und auch kaum unglaubwürdiger. Denn „Reykjavík Fusion“ spielt in einem, was Realismus anbetrifft, luftleeren Raum: Wie das gehypte Restaurant überhaupt so gut laufen kann, wird nur angedeutet. Auch wird nicht im Detail gezeigt, was die Küche – außer ein paar kulinarischen Anmerkungen – wirklich ausmacht. Die Spannung entsteht durch den Gegensatz Küche/Restaurant und Verbrechen/Drogen. Die Gefahr, dass hier ein riesiger Bluff vorliegen könnte, ist groß. Die drei restlichen Folgen werden (hoffentlich) eine Antwort liefern.