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Rhodes im Interview: Wer solche Freunde hat …

Rhodes Pressefoto
Foto: Charlie Moore

Der britische Singer/Songwriter Rhodes hat jahrelang auf die falschen Ratgeber gehört. Jetzt folgt er lieber dem Herzen eines Golfers.

David, seit deinem sehr erfolgreichen Debütalbum sind mehr als sieben Jahre vergangen. Betrachtest du „Friends like these“ als einen Neuanfang?

David Rhodes: Das neue Album dokumentiert meinen Kampf, mir das zu erhalten, warum ich ursprünglich mit dem Musikmachen begonnen habe. Wenn du bei einem Majorlabel unter Vertrag bist, passiert es sehr schnell, dass du auf deine Anfänge zurückblickst und feststellen musst, dass sich einiges verändert hat und du dabei sehr viel verloren hast.

Du hast bei deiner alten Plattenfirma zwei potenzielle Nachfolger für das Debüt „Wishes“ abgeliefert – und sie wurden beide aus kommerziellen Gründen abgelehnt.

Rhodes: Mein A&R-Manager war vor allem in der Dancemusik verwurzelt, und er wollte, dass ich immer weiter in eine elektronische Richtung gehe. Ich experimentiere gern und werde auch weiterhin Kollaborationen machen, aber was meine eigenen Songs angeht, definiere ich mich als Singer/Songwriter, der vor allem Balladen schreibt. Ich will meine Musik roh, mit meinem Gesang im Zentrum.

Auf „Friends like these“ sind jetzt aber auch einige dieser älteren Stücke, die sehr aufwändig produziert sind.

Rhodes: Das sind Songs, die mir sehr am Herzen liegen und die ich auch unbedingt veröffentlichen wollte. Insofern steht dieses Album für das Ende einer Ära – und zugleich ist es auch eine Wiedergeburt.

In den Texten thematisierst du auch Depression und Alkoholmissbrauch. Wodurch ist es dir schließlich gelungen, deinen eigenen Entscheidungen zu vertrauen und einen Neuanfang mit einem Indielabel zu wagen?

Rhodes: Ich habe viel zu lang an toxischen Arbeitsbeziehungen festgehalten und mich dabei immer einsamer gefühlt. Auch das alte Label hat ja gar nicht meine Songs angezweifelt. Es ging immer nur um die Art der Präsentation – und trotzdem sind dabei meine Selbstzweifel immer größer geworden. Letztlich ist es der Zuspruch von Musiker-Kolleg:innen und meinen alten Freund:innen gewesen, der mich gerettet hat.

Deswegen auch der Albumtitel …

Rhodes: Es ist eine positive Umkehrung von diesem Spruch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Der Titelsong ist in New York entstanden, nachdem mich ein betrunkener Freund aus London mitten in der Nacht angerufen und stundenlang zugequatscht hat. Ich war noch völlig erledigt vom Flug und natürlich schwer genervt – doch als ich mich am nächsten Morgen ans Klavier gesetzt habe, waren da diese Wärme und die Erkenntnis, wie wichtig solche Beziehungen sind.

Hast du Ratgeber, die rein gar nichts mit Musik zu tun haben?

Rhodes: Mein bester Freund ist zwar total musikbegeistert, aber er lebt in Norwegen und arbeitet dort für mehrere Golfclubs. Warum mir seine Meinung so wichtig ist? Ich analysiere jeden Song, und ich würde alles dafür geben, wenn ich Musik so wie er nur mit dem Herzen hören könnte.