Zum Inhalt springen

„Salto“ von Kurt Prödel

Portraitfoto Kurt Prödel, der mit „Salto“ seinen zweiten Roman vorlegt
(Foto: Joseph Strauch)

Wenn die Figuren in den Romanen von Kurt Prödel zurechtwachsen, tut das weh. Dabei erzählt „Salto“ doch eigentlich von Liebe.

„Salto“ von Kurt Prödel ist unsere Buchempfehlung der Woche

„Augen zu. Eine Sekunde warten. Augen auf.“ Was in der durchpsychologisierten Gegenwartssprache als Coping-Mechanismus durchgehen würde, ist für Marko, den Ich-Erzähler aus Kurt Prödels neuem Roman „Salto“, bloß: ein Trick. Und diesen braucht der angstgehemmte Abiturient aktuell dringender denn je. Stehen nach Schulabschluss doch sowohl das Medizinstudium als auch die Beziehung mit Claire vor dem Aus. Für Ersteres gibt es eine Lösung: Privatstudium in Ungarn. Was Zweiteres wiederum verkompliziert. Wie schon sein völlig zu Recht gefeiertes Debüt „Klapper“ erzählt nun auch Prödels zweiter Roman von den Wachstumsschmerzen junger Erwachsener, für die Coming-of-Age nicht endlose Sommer und Exzess, sondern Stress und Überforderung bedeutet.

Prödel interessieren diejenigen, die trotz eines Platzes in der sogenannten Mitte schief zur Welt stehen. Er schreibt einfach, unsentimental und doch berührend: „Papa öffnet die Wohnungstür und stöhnt. Wenn er von der Wertstoffanlage kommt, klingt er wie eine erschöpfte Figur aus einer Sitcom. Nur dass niemand lacht.“ Zu lachen gibt es wirklich eher wenig. Markos Mutter ist gestorben, der Sprüchekalender in der Küche erinnert noch an sie. Dieser verkündet Weisheiten wie: „Das Glück kommt zu den Fleißigen.“ Finanzieren kann Markos Vater (fleißig) das Privatstudium (Glück) seines Sohnes trotzdem nicht. Da muss schon die Lebensversicherung der verstorbenen Mutter her. Angekommen im tristen Budapester Studentenwohnheim, zieht es Marko bald buchstäblich den Boden unter den Füßen weg – da hilft dann auch kein Coping mehr. Prödels Sinn für das Profane ist ein Genuss. Er erzählt ohne Agitation von Klasse, ohne Agitation, von Liebe durch Social-Media-Chats und von Geborgenheit anhand des Geruchs von Zitronenreiniger. Dass einem manch rhetorischer Topos aus „Klapper“ wiederbegegnet, ist ein lässlicher Umstand, sind Prödels Figuren doch so frisch und plastisch, man möchte ihnen zurufen: Haltet durch!

Mit „Salto“ hat es Kurt Prödel auf unsere Liste der besten Bücher im März 2026 geschafft.

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.