MUSIK

Sein Name ist Marr, Johnny Marr! Der Gitarrist im Interview

Johnny Marr veröffentlicht Doppelalbum
Foto: Andy Cotterill

Johnny Marr, warum hast du deine Solokarriere eigentlich erst mit Ende 40 begonnen?
Johnny Marr: Ich hatte die wahrscheinlich zutreffende Befürchtung, dass alles, was ich nach dem Ende der Smiths getan hätte, von den britischen Medien verdammt worden wäre. Rund um die Smiths hat es ein solches Maß an obsessivem Drama gegeben, dass ich mich diesem Druck nicht aussetzen wollte. Ich habe mir einfach meine Gitarre geschnappt und mit guten Menschen zusammengespielt.

Du hast dich unter anderem mit Chrissie Hynde, Bernard Sumner und den Pet Shop Boys eingelassen.
Marr: Ich bin einfach über viele Jahre sehr glücklich gewesen, ein Gitarrist zu sein und meinen ganzen Enthusiasmus in diese unterstützende Rolle zu stecken. Ich habe nicht selbst im Mittelpunkt stehen müssen. Aber schließlich war es mir dann scheißegal, was ein paar angepisste Journalisten denken. Also habe ich solo losgelegt.

„Fever Dreams Pts 1-4“ ist ein imposantes Doppelalbum voller erhebender Melodien und schillernder Sounds. Hat dich die Arbeit an den 16 Songs während Corona bei Laune gehalten?
Marr: Mein Studio und mein Büro liegen hier in Manchester in der obersten Etage eines ziemlich großen Fabrikgebäudes. Ich habe das Album mitten im Sommer während einer der größten Hitzewellen, die das Land je gesehen hat, aufgenommen, und mein Auto war oft das einzige auf dem gesamten Firmenparkplatz. Das war echt surreal. Aber thematisch ist das Album breiter aufgestellt: Es geht um das Menschsein als solches, im Guten wie im Schlechten.

Jedenfalls klingt dein Album wie das Werk eines optimistischen Menschen.
Marr: Der bin ich auch. Ich bin das Gegenteil eines Misanthropen. Ich mag Menschen, und ich bin jemand, der die Hoffnung nie verliert. „Rubicon“ ist ein wirklich trauriges, düsteres Lied über einen Verzweifelten, der am Rand der Brücke steht und gegen den Drang kämpft, zu springen. Aber die zentrale Zeile ist: „Don’t let the good slip away“.

Du arbeitest auch seit Jahren eng mit dem Soundtrack-Komponisten Hans Zimmer zusammen.
Marr: Ja, seit „Inception“ 2010. Hans und ich haben die Gitarren zurück nach Hollywood gebracht. (lacht) Die Arbeit mit ihm ist nicht nur effizient und einträglich, es macht auch einfach unheimlich viel Spaß.

Auch die Musik für den neuen Bond „No Time to die“ habt ihr gemeinsam gemacht. Du bist fit, lebst vegan und läufst Marathons. Die Rolle des James Bond wäre dir doch wie auf den Leib geschneidert, oder?
Marr: Hundertprozentig! (lacht) Ich denke, ich hätte das drauf. Was die Schauspielerei angeht, stecke ich den Zeh derzeit ein wenig ins Wasser. Fast hätte es mit einer kleinen Rolle in der Netflix-Serie „Killing Eve“ geklappt, aber sie hätten jemanden gebraucht, der Russisch spricht, und damit konnte ich dann doch nicht dienen.

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