Sieben unverzichtbare Filme mit weiblicher Regie
Weibliche Regie ist in der internationalen Filmindustrie weiterhin unterrepräsentiert. Deshalb hier sieben Filme, die man unbedingt gesehen haben muss.

Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert in der Filmindustrie: in puncto Geschlechtergerechtigkeit ist noch viel Luft nach oben. Die meisten Filme, die wir konsumieren, sind von Männern geschrieben und produziert. Der europäischen audiovisuellen Informationsstelle nach führten zwischen 2015 und 2023 rund 30 Prozent Frauen Drehbuch und Regie bei europäischen Filmproduktionsaufträgen. In den USA sind es nach Untersuchung des Center for the Study of Women in Television and Film der Uni in San Diego 16 Prozent. Dabei prägen, verändern und begleiten Filme uns, sie können beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen. Eine nicht zu unterschätzende Macht also. Umso wichtiger, dass Filme bewusst konsumiert werden. Hier eine Liste von acht Filmen mit weiblicher Regie, die man unbedingt gesehen haben muss.
1. Anatomie eines Falls
Welches Motiv könnte eine Frau haben, ihren Ehemann zu ermorden? In „Anatomie eines Falls“ (2023) seziert die französische Regisseurin Justine Triet die Beziehung eines Paares. Im Mittelpunkt des Films steht ein Gerichtsprozess mit einer Frau, die für den Mord ihres Ehemannes beschuldigt wird. Währenddessen gibt es viele Rückblicke in die Beziehungsdynamiken und Auseinandersetzungen des Paares. Es geht um die Verbitterung, die aufkommt, wenn nicht genug Zeit für Selbstverwirklichung übrig bleibt. Als Zuschauender wird man selbst zur Richterin, die anzweifelt, empathisiert, glaubt und misstraut. Das juristische Drama stiftet nachhaltig Verwirrung, wirft viele Fragen auf und bleibt deshalb in Erinnerung.
2. Portrait of a Lady on Fire
In „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (2019) kommt kein einziger Mann vor, Regie führte Céline Sciamma. Der Film spielt Ende des 18. Jahrhunderts: Eine junge Malerin fährt auf eine einsame Insel in der Bretagne, um ein Porträt der eigensinnigen Héloïse zu malen. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine homoerotische Spannung, die mit einer Menge Feinfühligkeit, fast wie zufällig, festgehalten wird. Besonders eindringlich sind die Momente, in denen nicht gesprochen wird, um die Weite der Landschaft, den Prozess des Malens und das sinnliche Herantasten zu begleiten.
3. Systemsprenger
In dem Drama „Systemsprenger“ (2019) testet Nora Fingscheidt die Grenzen ihrer Figuren und Zuschauenden aus. Die verhaltensauffällige neunjährige Benni erreicht mit ihrer unkontrollierbaren Wut und Aggression die Grenzen des sozialen Auffangsystems. Auf völlig ungeschönte Art schafft der Film Sichtbarkeit für Kinder, die durch jegliches soziales Raster fallen. Der fast dokumentarisch wirkende Film ist so radikal wie die Realität, lässt einen mitfiebern und ist unverzichtbar, denn er zwingt einen, hinter Bennis Zerstörungswillen ein verletztes, schutzbedürftiges Kind zu sehen.
4. In die Sonne schauen
Intergenerationale Traumata lautet hier das Stichwort: Mascha Schilinski lenkt bei ihrem historischen Drama „In die Sonne schauen“ (2025) die Aufmerksamkeit genau dahin, wo es am meisten wehtut. In die Wunden und Ängste, die über vier Generationen hinweg weitervererbt wurden. Zentral ist hierbei die Brutalität der jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontexte, denen die verschiedenen Frauen ausgesetzt sind. Der Film beinhaltet horrorartige Elemente, und wie der Titel schon ankündigt, tut es manchmal fast physisch weh beim Hinschauen. Ein Film, der noch lange nachhallt.
5. The Watermelon Woman
„The Watermelon Woman“ (1996) von Cheryl Dunye ist eine augenöffnende Mockumentary über Rassismus und Queerness in der Kulturgeschichte. Die Regisseurin spielt sich quasi selbst: eine aufstrebende lesbische POC Regisseurin. Sie vertieft sich in Recherchen zu einer POC Schauspielerin aus den 30er-Jahren, die im Abspann des Films nur „The Watermelon Woman“ genannt wird. Der Film schwankt zwischen Seriosität und Humor, schafft Sichtbarkeit für kulturell unterdrückte queere schwarze Lebensgeschichten und leistet essenzielle Aufklärungsarbeit für die Filmindustrie.
6. Past Lives – In einem anderen Leben
„Past Lives – In einem anderen Leben“ (2023), geschrieben von Celine Song, dreht sich um die Frage „Was hätte sein können?“. Na-young und Hae-sung wachsen gemeinsam auf und haben eine selbstverständliche, vertraute Verbindung. Das Schicksal trennt sie, doch nach zwölf Jahren kommen sie sich online wieder näher. „Past Lives“ zeichnet sich durch seine Vorsicht aus, durch seine Pausen und die fast banalen Gespräche die trotzdem gut durchdacht und wirkungsvoll sind. Es geht um eine menschliche Verbindung, die so übergeordnet ist, dass man sie gar nicht greifen kann.
7. Priscilla
„Priscilla“ (2023) von Sofia Coppola zeigt die ermüdende und entwürdigende häusliche Isolation der Protagonistin Priscilla, Ehefrau von Elvis Presley. Ihre Ehe basiert auf Machtmissbrauch, denn sie war erst 14, als sie sich kennenlernten. Der Film ist aus Priscillas Sicht erzählt und wirkt bedrückend: das endlose Warten auf ihren fremdgehenden Ehemann. Gekonnt fängt Coppola die bis zur Perfektion getriebene Ästhetik der 70er Jahre–- Hochsteckfrisuren, lange Wimpern und beige leere Räume – und deren Schatten ein.
Film

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