MUSIK

„Peace of Mind“ von Simon Oslender: Auf dem warmen Wasserbett

Portraitfoto Simon Oslender
Foto: Boris Breuer

Simon Oslender, wie ist es zu deinem bereits zweiten Soloalbum gekommen?

Simon Oslender: Ich hatte eigentlich gar nicht geplant, schon wieder ein Album zu machen. Aber auch ich habe im Lockdown Anfang 2021 viel Zeit gehabt. Da sind viele Nummern und Skizzen entstanden. Eine der Kompositionen habe ich Wolfgang geschickt, und er hat geantwortet: Okay, ich spiele da mal was drauf. Dann hat er Will Lee ins Boot geholt, und schon sind wir ins Studio gegangen. Es war mir ein Anliegen, nach der ersten Platte noch tiefer und detaillierter ins Komponieren einzusteigen. Und ehrlich: Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Auf „Peace of Mind“ hört man viel raus, was man von Pat Metheny und Lyle Mays kennt.

Oslender: Lyle Mays ist der Allergrößte – eine Rieseninspiration für mich. Seine Ruhe, seine Klangwelt, frei von allen Genres: Er hat es immer geschafft, großartige Stimmungen zu erzeugen.

Fühlst du dich im Trio wohler oder mit einer Bigband im Rücken?

Oslender: Das Trio ist schon die Formation, in der ich mich am wohlsten fühle. Früher habe ich auch viel im Duo gespielt – nur mit Orgel und Schlagzeug. Im Trio hast du genug Leute, um alle möglichen Klangfarben und Stimmungen hinzubekommen. Gleichzeitig hast du viele Freiräume.

Jemand wie Wolfgang Haffner gibt einen ziemlich tighten Rhythmus vor. Kommt dir das entgegen, oder musst du dich da diszipliniert einfügen?

Oslender: Mit Haffner zu spielen, ist, wie auf einem warmen Wasserbett zu liegen und sich einfach nur wohlzufühlen. Man selbst muss da gar nicht mehr so viel machen. Er spielt ungemein klar, aber nie steif.

Hörst du dir die eigene aufgenommene Musik immer mal wieder an, oder machst du einen Haken dahinter und gehst ans nächste Projekt?

Oslender: Kommt drauf an. Mein erstes Album höre ich ab und zu. Bei dem neuen ist es so: Ich habe da so viel Arbeit reingesteckt, bin auch beim Mixen und Mastern dabei gewesen – da braucht man erstmal ein bisschen Abstand, weil man irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Die Hammondorgel ist ja so ein bisschen dein Alleinstellungsmerkmal im großen Rund der Jazzpianisten. Dafür braucht man jedes Mal einen Möbelwagen auf dem Weg zum Gig. Warum tut man sich das überhaupt an, was ist so faszinierend an diesem monströsen Instrument?

Oslender: Die Orgel war meine erste große Liebe, seit mein Vater – da war ich vier oder fünf – eine DVD mit einem Organisten aus den USA mitgebracht hat. Ich mag alles an dem Ding: das Aussehen, den Klang, den Geruch alter Röhren …

Apropos Gig: Gehst du mit dem „Peace of Mind“-Material auf Tour oder gibt es dafür auf Sicht zu viele andere Projekte?

Oslender: Ende Mai haben wir eine kleine Releasetour mit der Albumbesetzung, im Oktober und November toure ich mit meinem eigenen Trio.

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