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Sophia Kennedy: Selbstporträt mit Monstern

Sophia Kennedy veröffentlicht ihr zweites Album „Monsters“
(Foto: Helena Ratka)

Sophia Kennedy zeigt mit ihrem zweiten Album „Monsters“, dass es für den ganz großen Pop eine gewisse Unnahbarkeit braucht.

Sophia Kennedy, dein zweites Album „Monsters“ ist schon eine ziemlich schizophrene Platte, oder?

Sophia Kennedy: Mit dem Begriff bin ich vorsichtig, weil er eine mentale Krankheit bezeichnet. Aber es ist schon eine sehr gespaltene Platte, auf der es um Widersprüche, um die Gleichzeitigkeit von extremen Polen und Perspektiven geht. Das sind oft Themen, die für mich nur darstellbar und gar nicht lösbar sind: Widersprüche in den eigenen Ansprüchen, in der Art, wie man lebt oder leben möchte.

Verglichen mit deinem Debüt und dem Album mit Shari Vari intensivierst du das Spiel mit Referenzen, schlüpfst erneut in Charaktere und baust ganz wunderbare, aber nur sehr vage greifbare Welten – und trotzdem hat man das Gefühl, dir auf der neuen Platte näher zu kommen.

Kennedy: Die Chance ist vermutlich größer, obwohl es wie beim Debüt teils erfundene, teils autobiografische Skizzen eines Lebens sind. Oft ist es ein Spiel mit selbstironischem Unterton: wie man sich als Künstlerin zurecht findet oder wie man auch mit Klischees arbeitet. Es gibt an manchen Stellen schon mehr Intimität – aber es ist trotzdem auch alles Spinnerei.

Das Spiel mit dem stark bearbeiteten und verfremdeten Gesang erinnert an Frank Ocean. Und während bei ihm im Stück „Be yourself“ seine Mutter zu hören ist, endet dein Album mit dem Song „Drag myself into the Sun“ und der Stimme deiner verstorbenen Großmutter auf dem Anrufbeantworter.

Kennedy: Ich finde Frank Ocean total toll, aber das ist keine bewusste Referenz. Bei „Drag myself into the Sun“ wollte ich, dass der Gesang die Welt widerspiegelt, in der das Stück spielt. Ich wollte dieses Britzeln in der Stimme, weil man viele Dinge ja nicht so genau weiß: Wo kommt sie gerade her, und was hat sie erlebt? Ist es Nacht oder ganz früh morgens? Und am Ende ist es dann ein sehr schöner Kontrast: Es gibt da seine sehr produzierte und inszenierte Welt – und dann hat man plötzlich diesen nahen, persönlichen und sehr menschlichen Moment.

Wie ist es denn mit dem Film, nach dem die Großmutter fragt? Ursprünglich bist du ja mal für ein Filmstudium von Baltimore nach Hamburg gezogen. Reichen dir jetzt Musikvideos, so lange du etwa in dem Clip zu „I can see you“ mal eben Leonardo DiCaprio an die Wand spielen kannst?

Kennedy: Ähnlich wie Poplyrics sind Musikvideos für mich eine perfekte Form. Auf diesem Feld kann ich noch mit Film umgehen. Ansonsten ist das ja ein sehr aufwändiger, langer Prozess, bei dem man sehr viel damit zu tun, die finanziellen Mittel ranzuschaffen. Obwohl mir die visuelle Ebene extrem wichtig ist, fehlt mir dann doch der lange Atem, um jetzt etwa acht Jahre an meinem Debütfilm zu arbeiten.

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