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„Anywhere but here“ von Sorry: Fuck you, Welt!

Sorry Gruppenfoto auf Sofa
Foto: Iris Luz

Um klarzukommen, hat Sorry-Sängerin Asha Lorenz einen ganz und gar eigenen Blick auf so große Themen wie Tod, Sex und Geburt. Was will sie da bloß von Cat Stevens?

Asha, das neue Album von Sorry heißt „Anywhere but here“. Es klingt viel roher und düsterer als euer Debüt „925“ und ist als ein „Live-Band-Prozess“ entstanden. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Asha Lorenz: Wir haben beim letzten Album gemerkt, dass die Songs live nicht ganz so durchschlagkräftig waren wie auf Platte. Also haben wir dieses Album gewissermaßen rückwärts aufgenommen und erstmal einen originellen Live-Sound kreiert. Die Platte klingt so mehr nach live.

Und somit auch klassischer.

Lorenz: Voll, wir wollten, dass die Platte ein bisschen älter klingt. (lacht)

Aufhören und Schlussmachen sind prominente Thema auf dem neuen Album. Ist das Beenden von Dingen eine unterbewertete Kulturtechnik?

Lorenz: Ich denke schon, vor allem in unserer westlichen Welt. Wir können auch überhaupt nicht mit dem Tod umgehen und denken immer, dass uns das schon nicht passieren wird. Das Konzept „Tod“ wird regelrecht bekämpft.

„Dieses Gefühl, irgendwo festzustecken und sich auf die andere Seite kämpfen zu wollen, ist ganz zentral im Leben.“ Asha Lorenz von Sorry im Interview zum neuen Album „Anywhere but here“

Deine Mutter arbeitet als Sterbebegleiterin.

Lorenz: Nicht nur. Das absurde ist ja, dass sie auch als Hebamme in Gefängnissen gearbeitet hat. Dadurch hat sie einen wirklich besonderen Zugang zur Welt, der über die Jahre auch in meine Mentalität eingesickert ist.

Der letzter Song auf „Anywhere but here“ thematisiert das Wiedergeborenwerden oder – kitschig formuliert – den Kreislauf des Lebens. War deine Mutter eine Inspiration für „Again“?

Lorenz: Nicht direkt. Ich rede mit meiner Mutter schon viel über solche Themen, aber das ist eher etwas Generelles. Das „Aaargh“-Gefühl des Songs steckt in vielen Dingen: im Tod, im Sex, im Geborenwerden. Dieses Gefühl, irgendwo festzustecken und sich auf die andere Seite kämpfen zu wollen, ist ganz zentral im Leben. Wie jede Veränderung braucht dieser Kampf bloß Zeit.

Euer Album transportiert bei solchen Themen oft eine ironische oder sogar nihilistische Fuck-you-Attitüde.

Lorenz: Das ist einfach ein Weg, mit unserer Fuck-you-Welt umzugehen. Es ist sogar wichtig, dieses Böse rauszulassen – ansonsten frisst es dich auf.

Wird so eine Attitüde nicht auch schnell destruktiv?

Lorenz: Ja, auf jeden Fall. Solche Momente hatte ich auch schon. Das Wichtige ist, dass du irgendein Ventil für dich findest. Aber manchmal – speziell in Beziehungen – hilft auch das nicht. Dann braucht es einfach mal ein kleines „Fuck You“. (schmunzelt)

Bei dem Song „Key to City“ habt ihr versucht, das Cat-Stevens-Gefühl von „Wild World“ zu transportieren. Das hätte ich bei eurem Sound nicht unbedingt erwartet.

Lorenz: Der Refrain klang am Anfang sogar richtig nach ihm. Zunächst war das eigentlich auch nur ein Witz von uns. Doch dann waren wir so: Scheiße, das klingt irgendwie ziemlich gut! (lacht) Wir haben dann ’ne Mail an sein Management geschrieben, um zu klären, ob das klar geht – dann hieß es nur: Nö. Aber pssscht … sag’s keinem. (lacht)