MUSIK

Texas is in Germany

Phoebe Bridgers
Olof Grind

Phoebe, du schreibst so traurige Songs, doch wenn du als Traitor Joe tweetest, ist das extrem lustig. Wann bist du selbst von dir stärker überrascht – wenn du deine Platte „Punisher“ auflegst oder wenn du in deinen Twitter-Account schaust?

Phoebe Bridgers: Twitter begleitet mich durch den Alltag, während ich mich für meine Songs zurückziehe und intensiver in mich reinhöre. Inzwischen habe ich für mich klar, dass beide Seiten meine Persönlichkeit ausmachen. Und ich habe auch gelernt, dass ich meine Songs mit Humor wattieren kann, ohne sie dadurch in Frage zu stellen. Warum sonst sollte ich mich in einen Skelett-Bodysuit zwängen?

Der Titelsong deines neuen Albums „Punisher“ ist einer der traurigsten Songs, die ich jemals gehört habe – obwohl ich gar nicht genau sagen kann, worum es in dem Stück geht …

Bridgers: Eigentlich ist es ein Liebeslied für Elliott Smith. Würde er heute noch leben, wären wir Nachbarn in LA.

Schreibst du jetzt verschlüsselter, weil du auch nach Better Oblivion Community Center mit Conor Oberst und dem gemeinsamen Bandprojekt mit Lucy Dacus und Julien Baker weißt, dass jedes Wort genau untersucht wird?

Bridgers: Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit Magischem Realismus beschäftigt, aber unterbewusst ist es sicher auch ein Selbstschutz. Und natürlich haben die Kollaborationen ihre Spuren hinterlassen. Auch musikalisch wollte ich diesmal Kontrapunkte zu den ruhigen Folksongs unterbringen.

Sie alle sind als Gäste auf „Punisher“ dabei, und am Ende zelebriert ihr mit „I know the End“ die Apokalypse. Warum nur beginnt der Song mit der Zeile „Somewhere in Germany but I can’t place it“?

Bridgers: Das war ein Witz von Conor, der auf Tour in Deutschland irgendwo aus dem Bus gestiegen ist und gesagt hat: „Man, I hate this part of Texas.“ (lacht) Keine Angst, den Weltuntergang schiebe ich nicht speziell euch in die Schuhe.

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