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Betrug in Serie: „The Dropout“ auf Disney+

Die Serie The Dropout auf Disney+ ist nun schon die dritte Serie über private oder berufliche Hochstapelei in den vergangenen Jahrzehnten in den USA, die reale Fälle zur Basis ihrer Geschichte macht („Inventing Anna“ auf Netflix, „WeCrashed“ auf Netflix). Die von Amanda Seyfried („Mank“) exzellent gespielte Elizabeth Holmes brach Anfang der 2000er ihr Studium an der Stanford University ab, um das Biotechnologieunternehmen Theranos zu gründen. Letzteres sollte ein kleines, bequemes Gerät zur Blutanalyse auf den Markt bringen.

Die Vorbilder der Jungunternehmerinnen waren Steve Jobs & Co. Von letzterem hatte sie in ihrem Zimmer ein Plakat hängen, ständig sieht man sie in der ersten Folge der Serie mit ihrem iPod hantieren, und irgendwann trägt Elizabeth Holmes nur noch schwarze Rollkragenpullover. Die erste Folge der Serie aber schaut oft und lange in die Vergangenheit: auf Elizabeths Ehrgeiz in der Kindheit auf der Tartanbahn, auf ihr selbstbewusstes, zielgerichtetes Auftreten schon als Teenager und auf ihren Auslandsaufenthalt in Peking, wo sie tatsächlich die ganze Zeit nutzt, um flüssig Mandarin sprechen zu lernen.

Das alles wird schon in Folge eins von The Dropout gezeigt. In Peking lernt Holmes ihren späteren Freund Sunny Balwani (Naveen Andrews) kennen, der dann auch viel Geld in das Unternehmen stecken wird. Überhaupt: Geld und Elizabeths Überzeugungskraft. Der US-Ex-Außenminister George Shultz saß genauso im Aufsichtsrat wie Ex-Außenminister Henry Kissinger, Geld kam unter anderem von Rupert Murdoch, der 125 Millionen Dollar in Theranos steckte. Ab 2015 aber begannen erste Untersuchungen zu Vorwürfen des groß angelegten Betrugs – in einer Firma mit mittlerweile 800 Angestellten. Inzwischen ist der Prozess abgeschlossen, das Urteil wird in diesem Herbst gesprochen. Vier mal 20 Jahre Haft sind möglich, werden aber nicht erwartet.

Die erste der insgesamt acht Folgen der Serie The Dropout ist pickepackevoll mit Handlungssträngen der Protagonistin. Die Folge nennt sich nach dem Song „I’m in a Hurry“ von Alabama, den Elizabeth auch ständig hört. So eilig die spätere Unternehmerin schon in jungen Jahren gezeigt wird, so sehr mag diese Ungeduld in der Serie als Triebfeder für den späteren Betrug angelegt sein. Ob das reicht, um Elizabeth Holmes etwas näherzukommen, bleibt abzuwarten. Der Schauspielerin Amanda Seyfried jedenfalls kann man alles zutrauen.

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