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„Trag das Feuer weiter“ von Leïla Slimani

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(Foto: Francesca Mantovani für Editions Gallimard)

Mit „Trag das Feuer weiter“ schließt Leïla Slimani ihre gefeierte Familiensaga ab – und zementiert ihren Status als ganz große Erzählerin.

„Trag das Feuer weiter“ von Leïla Slimani ist unsere Buchempfehlung der Woche.

Begonnen hat Leïla Slimani ihre Familientrilogie 2021 mit „Das Land der anderen“, gefolgt von „Schaut, wie wir tanzen“ ein Jahr später, nun schließt „Trag das Feuer weiter“ die Reihe ab. Diese Informationen sind wichtig, setzt jeder Band doch die Kenntnis des vorherigen voraus. Es kostet Zeit und Aufwand, sich in das komplizierte Geflecht der Familie Belhaj zu arbeiten, doch es lohnt sich: Band 3 ist dank dieses Fundaments nun noch einmal besser als die Vorgänger. Die Geschichte, die einst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Umzug der Französin Mathilde ins Land ihres Manns Amine begonnen hat, kommt nun endlich in der Gegenwart an: mit der Schriftstellerin Mia, Mathildes Enkelin, die seit Covid Probleme mit ihrem Gedächtnis hat und aus Paris auf die Farm in Marokko zurückkehrt, um sich an ihre Kindheit zu erinnern. Dann geht es zurück in die 80er, zu Mia, ihren Eltern Aïsha und Mehdi, ihrer Schwester Inès, zu den Großeltern, Onkeln und Tanten. Die Töchter wachsen mit westlichem Luxus und marokkanischen Traditionen auf, fühlen sich zwischen den Welten gefangen. Diese Kluft wird noch größer, als Mia sich in eine Mitschülerin verliebt und zum Studieren nach Frankreich geht.

Doch Mia ist, außerhalb der Rahmenhandlung, weder Ich-Erzählerin noch eigentliche Hauptfigur, und „Trag das Feuer weiter“ keine Autofiktion, auch wenn Slimani die eigene Familiengeschichte zum Vorbild nimmt. Die Autorin beherrscht die Kunst, nach Bedarf an Figuren heran- und wieder wegzuzoomen. So schafft sie etwas eigentlich Paradoxes: ein intimes Panorama, ein Mosaik aus Psychogrammen, die zusammen ein Gesellschaftsporträt ergeben. Wären Vergleiche mit „Buddenbrooks“ oder „Anna Karenina“ nicht so überholt, wären sie durchaus gerechtfertigt. Mit diesen Klassikern teilt Slimanis Roman eine weitere Eigenschaft, die in Anbetracht des Stoffes umso beeindruckender ist: die Ablehnung jeglicher Sentimentalität.

Mit „Trag das Feuer weiter“ hat es Leïla Slimani auf unsere Liste der besten Bücher im Februar 2026 geschafft.

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