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Vom Campus ins Chaos: „Only Margo“ entzaubert Mutterschaft

Margo liegt im Schoß ihrer Mutter auf einer Couch.
Michelle Pfeiffer und Elle Fanning in „Only Margo“, ab 15. April 2026 auf Apple TV. (Foto: Carl Herse/Apple TV+)

Zwischen Uni-Stress, OnlyFans und Babyfläschchen: Margo kämpft ums Überleben in einer Welt ohne Sicherheitsnetz. „Only Margo“ bei Apple TV bricht radikal mit allem, was wir über junge Mutterschaft zu wissen glauben.

Mit „Only Margo” bekommt das Jahr eine weitere Buchadaption als Serie, basierend auf dem Bestseller „Margo’s got Money Troubles” von Rufi Thorpe. Die Serie beginnt damit, dass Margo ihre eigene „Origin Story“ schreibt, und genauso fühlt sich die Erzählung auch an: wie ein persönlicher, manchmal chaotischer Rückblick auf ein Leben, das aus den Fugen gerät. Was als relativ normales Studentenleben startet, nimmt schnell eine drastische Wendung. Nach einer Affäre mit ihrem Englischlehrer Mark (Michael Angarano, „Oppenheimer“) wird Margo ungeplant schwanger. Sie will das Kind behalten, für ihn ist das ein Problem, denn er ist verheiratet und hat bereits eine Familie, die davon nichts erfahren soll. Während Margo mit vollem Elan in die Schwangerschaft startet, zieht er sich immer weiter zurück bis hin zur Funkstille. Was Margos Entscheidung, das Kind zu behalten, wirklich bedeutet, entfaltet sich nicht auf einmal, sondern wie eine Kettenreaktion, innerhalb derer mit jeder Folge Margos Leben immer mehr außer Kontrolle gerät. Only Margo startet jetzt bei Apple Tv+.

Mutterschaft, vor allem jung allein und ohne Netz, hat herzlich wenig mit der weichgezeichneten „Wunder“-Erzählung zu tun, die einem überall verkauft wird. Klar, da gibt es diese kurzen Momente: Babyklamotten kaufen, Baby-Shower, ein bisschen Vorfreude. Aber dann kippt es. Der Vater ist verheiratet, unzuverlässig und schnell aus der Verantwortung. Die WG funktioniert mit schreiendem Baby kaum, erst recht nicht in der Klausurenphase. Ein Job ist ohne Betreuung unmöglich, ein Babysitter zu teuer. Schritt für Schritt rutscht Margo in Situationen, die ihr immer wieder den Boden unter den Füßen wegziehen.

Margo im Familien-Chaos

Margo ist die Tochter einer ehemaligen Hooters-Kellnerin und eines Ex-Wrestling Stars. Mit ihrer Mutter, gespielt von Michelle Pfeiffer („Ant-Man and the Wasp“, kommt es immer wieder zu Konflikten. Sie hat Margo selbst jung unter schwierigen Bedingungen bekommen und trägt diese Erfahrungen bis heute mit sich. Für ihre Tochter hatte sie sich eigentlich eine vielversprechendere Zukunft erhofft, jetzt erinnert sie die Schwangerschaft ihrer Tochter nicht nur an ihr eigenes Schicksal, die Situation lässt auch ihre Vorstellung eines besseren Lebens für Margo platzen. Ihre Reaktionen schwanken zwischen Sorge und Härte in einer Ehrlichkeit, die fast schmerzt. Dabei kommen Dinge über das Muttersein ans Licht, die man vielleicht lieber nie von der eigenen Mutter hören möchte.

Und dann ist da noch Margos Vater Jinx (Nick Offerman, „Civil War“), ein ehemaliger Wrestling-Star, der Margos Kindheit größtenteils verpasst hat. Frisch aus der Entzugsklinik entlassen, steht ausgerechnet er plötzlich vor der Tür und will helfen. Es entsteht ein seltsamer Deal und eine noch seltsamere WG-Dynamik. Und irgendwie, ganz langsam, funktioniert dieses zusammengewürfelte Konstrukt. Nicht perfekt oder stabil, aber genug, um nicht komplett auseinanderzufallen.

Margo ist als ihre Only Fans Persona gekleidet und umgeben von Neonlicht und Seifenblasen.
Credit: Apple TV

OnlyFans, Wrestling und der ganz eigene Überlebenskampf

Margo will am liebsten von zu Hause arbeiten, um bei ihrem Sohn Bodhi (Graham Hendrix) sein zu können. Und dann kommt die Idee: OnlyFans als Einnahmequelle. Inspiriert von Wrestling-Kolleginnen ihres Vaters, die auf der Erotik-Plattform mehr verdienen als im Ring, beginnt sie selbst Content zu produzieren. Margo bewertet Männerkörper mit dem Blick einer Literaturstudentin, beschreibt sie wie Figuren, wie Kreaturen. Fast schon poetisch, irgendwie auch einfach absurd. Doch ihre Idee geht auf, und mit dem Erfolg wächst der Druck: mehr Content, mehr Aufmerksamkeit, höhere Erwartungen. Gemeinsam mit ihrer kreativen besten Freundin Becca (Sasha Diamond) entwickelt sie in Cosplay-Kostümen bizarre außerirdische Figuren, die zu ihrem Markenzeichen werden. Als sexy Alien lässt sich gut verdienen, was es ihr erleichtert, für Bodhi zu sorgen. Gleichzeitig wird ihr von außen immer wieder die mütterliche Kompetenz abgesprochen, was Margo in die nächste Krise treibt. Parallel dazu zieht sich Wrestling wie ein roter Faden durch die Serie. Nicht nur als skurriles Detail, sondern als ziemlich treffende Metapher: inszenierte Performances, Fake-Identitäten, überspitzte Fantasien, und trotzdem geht es ums Durchhalten. Genau wie bei Margo.

Zwischen Mutterschaft und Sexarbeit

Was „Only Margo“ so stark macht, ist der Spagat zwischen Humor und schmerzhafter Ehrlichkeit. Margos Situation ist alles andere als komisch, und trotzdem trifft die Serie genau den Humor, der mitten im Chaos entsteht. Man lacht oft unerwartet, nur um im nächsten Moment wieder von der Realität eingeholt zu werden. Vor allem zerlegt die Serie konsequent die romantisierte Vorstellung von Mutterschaft, die gesellschaftlich aufrechterhalten wird. Gleichzeitig gelingt ihr ein differenzierter Einblick in die Emanzipation der Sexarbeit über OnlyFans. Sie zeigt, wie Frauen dort Kontrolle gewinnen können mit einem klaren feministischen Blick, ohne dabei die Schattenseiten auszublenden.

Elle Fanning („Sentimental Value“ spielt Margo dabei unglaublich nahbar: eine junge Frau, unvorbereitet, zweifelnd, voller Fehler und trotzdem entschlossen weiterzumachen. Aus der naiven Margo der ersten Folge wird Schritt für Schritt eine deutlich härtere, reifere Frau – dem 20 Jahre älteren Vater ihres Sohnes in vieler Hinsicht weit voraus. Von außen wirkt „Only Margo“ wie ein bunter, leicht schräger Mix mit fast schon Sitcom-Vibes. Darunter liegt jedoch eine erstaunlich ehrliche Geschichte darüber, wie Menschen unter Druck zusammenfinden. Es geht um Geld, ja, aber vor allem um Verantwortung, Selbstwert, Überforderung und darum, im Chaos so etwas wie ein Zuhause zu finden.


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