Absichtlich uncool: Panda Bear und Sonic Boom im Gespräch
Noah Lennox alias Panda Bear und Peter Kember alias Sonic Boom ergänzen einander perfekt: Über den Tod denken sie genau so gern nach wie über Steel Drums.
Peter, Noah, ihr habt schon an verschiedenen Projekten zusammengearbeitet, aber das offizielle Album, das ihr gemeinsam gemacht hat, war das erfolgreiche „Reset“ aus dem Jahr 2022. Ist „A ? of when“ eine Art Fortsetzung?
Peter Kember: „Reset“ kam in einem besonderen Moment heraus, nachdem wir alle zwei Jahre lang eingesperrt gewesen waren. Wobei ich heute sagen würde, dass etwa 50 Prozent der Leute dadurch zu schlechteren Menschen geworden sind. (lacht) Das neue Album richtet sich vielleicht eher an diese Hälfte und ihren schlechten Einfluss auf die Welt.
Wie ist das neue Album konkret entstanden?
Kember: Wir hatten so viel Spaß mit „Reset“, dass wir beide es noch mal probieren wollten. Schon vor Jahren habe ich mit Noah darüber gesprochen, wie es wäre, wenn wir dieses Mal andere Leute ins Boot holen würden. Strukturell basiert „A ? of when“ genauso wie „Reset“ auf simplen Loops, nur sind es dieses Mal keine Samples. Stattdessen haben Musiker:innen wie Mary Lattimore und Daniel O’Sullivan mitgespielt. Es ist eine ungewöhnliche Auswahl an Instrumenten: Harfe, Pedal Steel, Pauke, Noah spielt die Steel Drums auf dem Album. Wir haben absichtlich Elemente genommen, die traditionell als uncool gelten.
„A ? of when“ von Panda Bear und Sonic Boom
Obwohl ihr zu zweit arbeitet, klingen alle Songs wie aus einem Guss. Wie schafft ihr das?
Noah Lennox: Indem wir uns immer nur einen Song auf einmal vornehmen. Du weißt nie, was am Ende herauskommt. Manchmal hast du eine Art Vision, auf die du hinarbeitest. Aber ich würde sagen, von fünf oder sechs klaren Zielen, die ich mir gesetzt habe, sind am Ende vielleicht noch zwei spürbar. Es ist besser, wenn du die Songs selbst entscheiden lässt, wo sie hinwollen.
Wie hat man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?
Kember: Ich baue kleine Loops und schicke sie an Noah – natürlich viel mehr, als wir am Ende verwenden. Und er sucht sich einfach raus, was ihn inspiriert. Die Ausnahme dieses Mal war „Graveyard“: Den wollte ich eigentlich selbst singen, aber als Noah ihn gehört hat, hat er sich in ihn verliebt und sehr schnell ein Konzept und Lyrics gefunden. Auch „Lucky Charm“ hat er mir geklaut, wenn ich drüber nachdenke. (lacht) Sobald er ihn gesungen hat, war klar, dass es sein Song ist.
Lennox: Ich sehe es nicht als meinen Song, aber …
Kember: Normalerweise ist es bei mehreren Songwritern ja so, dass zumeist der Komponist auch der Sänger ist. Das ist bei uns anders, Noah liegt da deutlich in Führung.
„Graveyard“ ist der letzte Track des Albums und handelt vom Sterben, ist dafür aber überraschend leichtherzig. Für euch schließt sich ja damit auch eine Art Kreis zu „Panda Bear meets the Grim Reaper“ aus dem Jahr 2015, das du, Peter, produziert hast.
Lennox: Das ist auf jeden Fall ein Thema, das uns seit längerem begleitet. Wir haben darüber gesprochen, wir wichtig es ist, den Tod nicht so negativ zu betrachten. Vielleicht nicht direkt als Feier, aber … irgendwie schon?
Kember: Die einzige Sicherheit im Leben ist, dass wir sterben werden. Aber zumindest meine Eltern haben lange versucht, das vor mir geheimzuhalten. Ich glaube, viele junge Menschen denken: Ach, mich wird der Tod nicht betreffen, wenn ich 50 bin, werden sie schon ein Heilmittel gefunden haben. Das kann dazu führen, dass du dein Leben verschwendest. Je früher du akzeptierst, dass du sterben wirst, desto besser wird dein Leben sein.