Acht Bücher über fragile Männlichkeit
Acht Bücher, die sich mit männlicher Identität, Zugehörigkeit und Unsicherheit auseinandersetzen, die männlichen Schmerz auf unterschiedlichste Art enttabuisieren und ihm eine Sprache verleihen.

Hugo Tepest: Sind Penisse real?
Dieser Essay beschäftigt sich mit dem männlichen Geschlecht und wie es unsere Gesellschaft bestimmt. Der Autor geht auf Spurensuche nach dessen aufgeladener Bedeutung, denn er durchläuft selbst eine Transition und ist auf der Suche nach neuen Formen von Männlichkeit. In seinem Text dekonstruiert er vorherrschende Normen und Narrative und erlaubt seinen Leser:innen neue Blickwinkel auf bestimmende Gefühle wie Angst und Macht zu werfen, die mit dem männlichen Geschlecht einhergehen.
Fikri Anıl Altıntaş: Im Morgen wächst ein Birnbaum

Fikri Anıl Altıntaş schreibt in seinem autobiografischen Roman über Identität, sein prekäres Aufwachsen und türkisch-muslimische Männlichkeit. Anhand der Beziehung zu seinem Vater handelt er aus, wie man verhärtete Formen der Männlichkeit aufweichen kann. Mit dem Buch fordert er das Recht auf Komplexität, Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen ein, gerade in Bezug auf Männlichkeit.
JJ Bola: Sein kein Mann: Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist
Ein Einstiegswerk, wenn man sich kritisch mit Männlichkeit auseinandersetzen möchte. Der Autor zeigt, wie schmerzhaft und beschämend es sein kann, als Mann in dieser von patriarchalen Zwängen geprägten Gesellschaft aufzuwachsen. Gleichzeitig macht er deutlich, wie wichtig es ist, seine Privilegien als cis, heterosexueller Mann zu reflektieren.
Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht

In diesem autobiografischen Erinnerungsstück geht es um den Vater des Autors, unter dessen dicker Männlichkeitsfassade ein seelisch sowie körperlich gebrochener Mann steckt. Dieses Leid, das sich zum großen Teil aus der Präkarität seiner Lebensumstände speist, lässt er in Form von Gewalt an seiner Familie aus, auch an seinem femininen Sohn Édouard.
Mareike Fallwickl: LIEBE JORINDE oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen
In diesem essenziellen Essay betrachtet Mareike Fallwickl das Auseinanderdriften zwischen progressiven jungen Frauen und konservativen Männern, die immer anfälliger für misogyne Ideologien werden. Sie fragt sich, was wir gesamtgesellschaftlich und zwischenmenschlich tun können, um einen Feminismus zu finden, der nicht trennt, sondern verbindet. Sie bleibt dabei nicht nur theoretisch, sondern findet konkrete Lösungsvorschläge.
Margaret McDonald: Glasgow Boys

Eine queere Coming-of-Age-Geschichte von zwei jungen Männern, die sich drei Jahre unter schwierigen Bedingungen ein Jugendwohnheimzimmer geteilt haben. Durch einen Streit zerbricht ihre Freundschaft und man begleitet die Protagonisten dabei, wie sie das Leben mit all seinen Herausforderungen bestreiten. Voller Mitgefühl beschreibt die Autorin, wie die beiden Männer sich aus ihrer Vergangenheit herauskämpfen.
Res Sigusch: Unbegründete Ängste
In diesem Roman schreibt Res Sigusch über einen queeren jungen Mann, der in einer ostdeutschen Kleinstadt aufwächst und in einem Fitnessstudio arbeitet. Äußerlich ist er durchtrainiert und normschön, innerlich jedoch von starken Selbstzweifeln und Zwangsneurosen geplagt. Es geht um den Mut, sich anzuvertrauen, sich mit seiner Verletzlichkeit zuzumuten und darin Halt und Trost zu finden.
Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben
Ein Roman, der von menschlichem Leid trieft. Er erzählt die Geschichte vier junger Männer in New York. Im Mittelpunkt steht der Protagonist Jude, der eine hoch traumatisierte Jugend hinter sich hat. Die Protagonisten sind vielschichtig und komplex und werden feinfühlig beschrieben. Mit einer unglaublichen Wucht und Sprachgewandheit zieht die Autorin einen in tiefste menschliche Abgründe, die man kaum aushält.
Literatur


Mit beiden Händen den Himmel stützen

Confusion is next – die Nullerjahre, das Jahrzehnt des Umbruchs

