FILM

TV-Tipp: Angelina Jolie und „Der fremde Sohn“

Angelina Jolie in „Der fremde Sohn“
Angelina Jolie in „Der fremde Sohn“Foto: 2008 Universal Studios

Filme, bei denen der mittlerweile 90-jährige Clint Eastwood Regie führt, sind nicht nur kinematografische Lehrstunden, sondern stets auch moralische Diskurse über menschliche Makel, Schuld und Sühne. „Der fremde Sohn“  von 2008 basiert auf der wahren Geschichte von Christine Collins (Angelina Jolie), deren Sohn im Jahr 1928 in Los Angeles entführt wurde. Als die unter Korruptionsvorwürfen stehende Polizei nach fünf Monaten einen Jungen findet, auf den die Beschreibung zutrifft, wird die Suche beendet und der Fall geschlossen. Der Haken: Mutter und Sohn haben sich noch nie gesehen, der Junge ist nicht Collins’ Kind – doch die Behörden ignorieren das … War Eastwoods Doppelprojekt „Flags of our Fathers“/ „Letters from Iwo Jima“ noch opulentes Geschichtskino, konzentriert er sich diesmal auf eine atmosphärisch dichte und spannende Krimigeschichte, die zur stilistischen Meisterleistung wird. Jede Einstellung ist brillant in ihrer Wahrhaftigkeit, jede Darstellerleistung berührend und verstörend zugleich. Eastwoods Erzählstil ist Kino in seiner reinsten und professionellsten Form, mit einer Hauptdarstellerin Angelina Jolie, die man zuallererst für ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit und nicht für ihren privaten Geltungsdrang bewundern sollte. Einziger Wehrmutstropfen bleibt die zu kleine Rolle von John Malkovich als aufklärerischem Pfarrer, die dem Film einen schalen Beigeschmack von christlicher Gerechtigkeitssuche gibt. David Siems

Der fremde Sohn läuft um 20:15 auf Arte.