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„Capitulism“ von Kellermensch: Haarscharf vorm Kontrollverlust

Wird es mit der Intensität zu viel, landen Kellermensch auf „Capitulism“ mitunter in der Nähe vom Kitschrock.

Bandfoto Kellermensch
Foto: Morten Rygaard

Glaubt man Kellermensch selbst, macht das Sextett vor jedem neuen Album eine Schaffenskrise durch, nur um sich dann zu berappeln und das jeweils reifste Werk vorzulegen. Für Fans der Dänen bietet „Capitulism“ auf jeden Fall genügend hochmelodische Gänsehaut- und Mitgröl-Momente, die ein Stadion von den Sitzen reißen können.

Das geht beim epischen Instrumental-Opener los und hört bei der Trinkerballade „Another Drink“ noch lange nicht auf. In den besten Momenten erinnert Sänger Sebastian Wolff mit seiner verzweifelten Stimme an den frühen Win Butler: immer haarscharf vor dem Kontrollverlust. Doch auf ähnliche Weise, wie Arcade Fires Naivität nicht übermäßig gut gealtert ist, wird eine geballte Dosis Kellermensch-Intensität irgendwann zu viel, es drängen sich Assoziationen mit Kitschrock-Acts wie Rammstein oder Unheilig auf. Am deutlichsten ist das beim Closer „I’m not like everybody else“ – eine Zeile, die eigentlich nur ironisch funktionieren kann. Wenn sie dagegen gegrowlt wird wie hier, ist man als Hörer:in eher vergrault …

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