Dahi lässt Schwarze Kreativität grenzenlos klingen
Kendrick, Drake, SZA – für sie alle stand Dahi im Studio-Hintergrund. Mit „Black Boy (Alternative)“ tritt der Produzent nun selbst ins Rampenlicht.

Fast zwei Jahrzehnte lang hat Dacoury „Dahi“ Natche als einer der prägendsten Produzenten des modernen Hip-Hop und R&B im Hintergrund gestanden. Kendrick Lamars „Money Trees“, Travis Scotts „90210“, Mac Millers „Self Care“, sowie SZAs „Prom“, tragen seine Handschrift. Jetzt, am 28. August, veröffentlicht der gebürtige Inglewood-Musiker mit „Black Boy (Alternative)“ sein Debütalbum und tritt damit erstmals selbst ins Zentrum eines Werks, das er sonst für andere formte. Elf Songs, ein Allstar-Line-up aus Soul, Alternative, Jazz und Hip-Hop – mit Kendrick Lamar, Childish Gambino, Moses Sumney, Ravyn Lenae, Fousheé, Amber Mark und vielen mehr. Doch bei aller Star-Dichte geht es nie um Namedropping. Dahi öffnet Räume, in denen jede Stimme ihre eigene Form finden darf, und verbindet sie zu einem gemeinsamen Fluss.
Ein Gespräch statt einer Setlist
Das Leitmotiv des Albums ist Schwarze Vielstimmigkeit selbst: die Idee, dass es so viele Arten gibt, Schwarz zu sein, wie es Schwarze Menschen gibt. Dahi verhandelt das nicht thesenhaft, sondern strukturell. Die Songs funktionieren wie ein musikalisches Gespräch, fast wie Jazz-Improvisation. Stimmen und Instrumente reagieren aufeinander, bauen sich auf, brechen ab, finden neue Rhythmen. Genregrenzen zwischen Soul, Alternative, Jazz und globalen Klängen lösen sich dabei bewusst auf. Thematisch kreist das Album um Identität, Überforderung, Liebe, Verlust, Spiritualität und die Suche nach Halt in einer widersprüchlichen Welt. Ein roter Faden, der die einzelnen Kapitel zusammenhält, ohne sie gleichzuschalten.
Vier Songs, die zeigen, worum es geht
„Find me“ (feat. Moses Sumney & Mez) übernimmt genau diesen Auftrag. Ruhig gezupfte Gitarren und weiche, ineinander verschmelzende Stimmen kippen unvermittelt in einen Beat-Drop mit Trap- und Hip-Hop-Elementen, die verzerrte Stimme im Refrain trägt fast filmische Wucht. Es ist ein Track, der sich aufbaut wie ein Soundtrack und der einen förmlich in eine eigene Welt zieht.
„How to pray“ (feat. Kendrick Lamar & Amber Mark) ist eines der emotionalen Zentren des Albums. Zwei Stimmen, die aufeinander reagieren wie in einem unperfekten, aber ehrlichen Gespräch – mal reibungsvoll, mal harmonisch, immer dynamisch. Amber Mark zählt zu den spannendsten Newcomerinnen im R&B, Kendrick Lamar bringt seinen Legendenstatus mit ein, und Dahi bündelt beides zu etwas erstaunlich Zartem.
„Running“ (feat. Childish Gambino) setzt fort, was das Album insgesamt trägt: Emotion und Harmonie ohne Kompromisse. Dahi selbst beschrieb den Song als Hommage an sein Erbe – „Black is beautiful“, sagte er dazu, er bringe hier alles zusammen, was er liebt. Genau dieses feiern seiner Herkunft ist auf dem Track spürbar.
„They don’t know me“ (feat. Mez) ist schließlich der Moment, in dem sich das Album am deutlichsten öffnet. Elektrische Gitarren, ein Groove, der zwischen lautem Rap und geflüstertem Echo pendelt, textlich ein Manifest gegen alle, die einem den Erfolg nicht zugetraut haben. Der Song driftet gegen Ende in ein filmisches Instrumental, das an Labrinths Arbeit für „Euphoria“ erinnert. Das ist kein Zufall, schließlich war Dahis Musik selbst Teil dieser Serie.
Ein Debüt, das sich weigert, nur eines zu sein
„Black Boy (Alternative)“ hört sich nicht an wie ein erstes Soloalbum, denn es spiegelt die Summe von zwei Jahrzehnten Zuhören und aufmerksamen Beobachtungen. Dahi tritt hier als Gastgeber eines Raumes auf, in dem Sanftheit und Intensität, Struktur und Improvisation, Individualität und Gemeinschaft nebeneinander bestehen dürfen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke des Albums: Es bleibt stetig in Bewegung, wird nie beliebig, und jeder Artist bekommt genug Raum, um wirklich zu strahlen, statt nur Gast zu sein.
Musik


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