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Die besten Bücher: Liebe und Beziehungen

Beziehungsbücher Liebe und Beziehungen Beste Bücher 2020 2019

Liebe und Beziehungen: Kaum ein Thema beschäftigt Menschen so nachhaltig und emotional wie Beziehungen. Wie vielseitig diese aussehen können, erzählen die Autor*innen  Tom Perrotta, André Aciman, R.O. Kwon, Pauline Delabroy-Allard und Janna Steenfatt. Hier kommen unsere Top 5 der besten Beziehungsbücher.

Beziehungsbücher Liebe und Beziehungen Tom PerrottaTom Perrotta: Mrs. Fletcher

Eine zeitgenössische Landkarte der amerikanischen Sexualmoral legt Tom Perrotta mit „Mrs. Fletcher“ vor – verpackt in eine kompakte Mutter-Sohn-Geschichte. Und die geht so: Während Brendan Fletcher nach seinem Auszug zu Hause und dem Start am College erfahren muss, dass echte Frauen nicht darauf stehen, beim Oralsex als „Schlampe“ bezeichnet zu werden, entdeckt seine alleinstehende Mutter ihre Vorliebe für MILF-Pornos, die kurvenreiche neue Mitarbeiterin und den psychisch angeschlagenen Altersgenossen ihres Sohnes. Eine Transgender-Frau, Tinder-Dates, Masturbation, Exhibitionismus, Dirty Talk, eine Ménage-à-trois, romantische Liebe und – ganz am Rande – ein asexueller Jüngling kommen ebenfalls vor. Hat Perrotta noch was vergessen? So oder so: Hartnäckig arbeitet er sich an seinem Themenkomplex ab, mal als allwissender Erzähler aus Eves Perspektive, mal als oberflächlicher Ich-Erzähler Brendan. Wo die Gefahr droht, ins Pornografische abzugleiten, lässt der Bestseller- und Drehbuchautor Witz und Ironie walten, subtil, aber wirksam. So wirksam, dass „Mrs. Fletcher“ trotz viel Gerede über Sex irgendwie bieder daherkommt. Ob‘s an der 46-jährigen Eve liegt, die bei aller theoretischen Offenheit dann doch ständig mit ihren Gewissensbissen zu kämpfen hat? Am vorhersehbaren Plot, an zu offensichtlich herangezogenen Rollenklischees? Passt auf jeden Fall, dass am Ende geheiratet wird, hetero, gleichaltrig, brav. Willkommen in der Wirklichkeit – der Trotz-Tinder-trotz-YouPorn-trotz-LGBTQ-Realität.

dtv, 2019, 416 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Johann Christoph Maass

beste Beziehungsbücher Liebe und BeziehungenAndré Aciman: Fünf Lieben lang

Nach „Call me by your Name“ hat André Aciman einen neuen Roman geschrieben, und auch wenn das Buch in der deutschen Übersetzung den Titel „Fünf Lieben lang“ trägt, geht es darin nicht um die Liebe. „Ich spreche selten über Liebe, sondern meist über Verlangen oder meinetwegen das Verliebtsein“, sagt Aciman im Interview mit kulturnews. „Das Verlangen ist unmittelbarer und uneindeutig. Wenn ein Autor das Wort ,Liebe’ benutzt, macht er eine Tür zu, und alles ist gesagt. John liebt Mary: Wenn wir diesen Satz lesen, wissen wir genau, was vor sich geht – oder zumindest meinen wir, es zu wissen. Viel spannender ist es doch, wenn John es nicht schafft, mit Mary zu reden. Er begehrt sie, weiß aber auch gar nicht so genau, warum. Mich interessieren diese Ambivalenzen.“

dtv, 2019, 352 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Christiane Buchner

R.O. Kwon: Die Brandstifter

Tatsächlich beginnt „Die Brandstifter“ zunächst wie ein College-Roman, wandelt sich aber sehr schnell in ein hochpolitisches Buch, in dem drängende Fragen unserer Gegenwart unglaublich komprimiert, aber dennoch mit großer Empathie und nie vereinfachend verhandelt werden: Am fiktiven Elite-College Edwards in Noxhurst verlieben sich zwei Außenseiter ineinander. Will ist ein vom Glauben abgefallener Evangelikaler, der sich die Ausbildung nur dank eines Stipendiums leisten kann und seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen verheimlicht. Phoebe hingegen gibt nach außen zwar die ausgelassene Studentin, droht innerlich aber an Schuldgefühlen zu zerbrechen, weil sie sich für den Unfalltod ihrer südkoreanischen Mutter verantwortlich fühlt. Das anfängliche Liebesglück der beiden wird schnell getrübt, als ein ominöser Sektenführer um Phoebe wirbt. Der Missionar John Leal gibt vor, ein Straflager in Nordkorea überlebt zu haben, und er gründet einen christlichen Kult, den er nach dem koreanischen Wort für Unterwerfung Jejah nennt. Phoebe gerät mehr und mehr in Leals Bann, bis schließlich ein Attentat auf eine Abtreibungsklinik in Noxhurst verübt wird, bei dem Menschen sterben.

Liebeskind, 2019, 240 S., 20 Euro

Aus d. Engl. v. Anke Caroline Burger

beste Beziehungsbücher Liebe und BeziehungenPauline Delabroy-Allard: Es ist Sarah

Sarah wird im Leben der Erzählerin aus Pauline Delabroy-Allards Roman zu einem Angelpunkt. Mit Sarah endet ihr Zögern, sie lässt ihr bisheriges Leben hinter sich und öffnet sich endlich einem neuen. Doch so schnell und intensiv diese Beziehung beginnt, so schnell zerbricht sie: Als Sarah erkrankt, flieht die Erzählerin nach Triest. Dort löst sich alles für sie auf, nur nicht die Erinnerung an Sarah.

Frankfurter Verlagsanstalt, 2019, 182 S., 22 Euro

Übersetzt von Sina de Malafosse

 

Janna Steenfatt: Die Überflüssigkeit der Dinge

Ina weiß nur zu genau, dass ihr Mitbewohner Falk in sie verliebt ist. Zwar will sie nicht mit ihm schlafen, doch nimmt sie seinen Beistand dankend an, als sie sich mit dem Tod ihrer Mutter konfrontiert sieht. Plötzlich sind da die Erinnerungen an die ständigen Umzüge, an eine Mutter, die immer mehr trinkt,  – und vor allem ist da Inas Vater, der berühmte Regisseur, den Ina nie getroffen hat. Als sie hört, dass dieser ans Schauspielhaus Hamburg kommt, nimmt sie einen Küchenjob in der Kantine des Theaters an und verliebt sich zum ersten Mal –  in die Schauspielerin Paula. Mit ihrem Debütroman präsentiert die 37-jährige Autorin eine Ich-Erzählerin, die wegen ihrer Antriebslosigkeit nur schwer zu ertragen ist – und von der man dank ihres wunderbar spröden Humors doch nicht genug bekommen kann. Hier spricht eine Antiheldin, die den Schmerz runterspielt und ihr Leid vor allem in Auslassungen und Anspielungen preisgibt.

Hoffmann und Campe, 2020, 240 S., 22 Euro