„Exit 8“: Gefangen in der Endlosschleife
Ein japanisches Indie-Game wird zum Horror-Hit: „Exit 8“ ist radikal minimalistisch – und funktioniert trotzdem.
Nach dem Megaerfolg von „Backrooms“ ist der Damm endgültig gebrochen: Filmstudios durchforsten das Internet nach Memes, YouTube-Shorts und Indiegames, aus denen sich Filme – oder gar Franchises? – machen lassen. Ein früher Vorbote dieser Flut kommt aus Japan: Mit „Exit 8“ adaptiert Genki Kawamura das gleichnamige Horrorgame aus dem Jahr 2023. Das Spielprinzip ist so simpel wie genial: Spieler:innen sind in einer sich endlos wiederholenden U-Bahnstation gefangen und müssen die Augen nach Anomalien offenhalten. Finden sie welche, müssen sie umdrehen, sonst beginnt alles von neuem. Nach acht erfolgreichen Runden entkommen sie dem sterilen Limbo. Coole Idee für ein Spiel – aber wie geht das als Film?
Anfangs kann man sich durchaus sorgen, denn Kawamura bleibt extrem nah an der Vorlage und beginnt sein „Exit 8“ sogar in der Egoperspektive. Doch als sein Protagonist (Ninomiya) in die unterirdische Endlosschleife gerät, wechselt nicht nur der Kamerawinkel, sondern die Adaption erweist sich auch als überaus gelungener Drahtseilakt: Kawamura fügt durch eine emotionale Hintergrundgeschichte und antichronologische Struktur gerade genug Elemente hinzu, dass „Exit 8“ als Film funktioniert, bleibt aber tatsächlich volle anderthalb Stunden in der unmöglichen Bahnstation – und hält trotzdem die Spannung aufrecht. Ein paar simple, aber effektive Gruselszenen und eine intensive, über weite Strecken fast wortlose Performance von Ninomiya tun das Übrige, um Fans voll auf ihre Kosten zu bringen. Selbst einen thematischen Überbau und einen emotionalen Schluss schafft der Film. Letztlich beeindrucken freilich Ökonomie und Eleganz mehr als wie auch immer geartete Gänsehautmomente. Dennoch: Der erste unweigerliche Flop der neuen Horror-Bewegung lässt weiter auf sich warten.