Faraz Shariat über Staatsschutz: Gegen das System
In seinem Thriller „Staatsschutz“ konfrontiert Regisseur Faraz Shariat eine Staatsanwältin mit der Erkenntnis, dass die deutsche Justiz von rechts unterwandert ist.

Regisseur Faraz Shariat spricht über seinen Film „Staatsschutz“
Faraz, dein Debütfilm „Futur Drei“ war teilweise autobiografisch und erzählt eine sehr persönliche Geschichte. „Staatsschutz“ hat jetzt deutlich weniger mit deinem Alltag zu tun.
Faraz Shariat: „Futur Drei“ ist aus einer DIY-Mentalität entstanden, aus einer Frustration, wie in den deutschen Medien Geschichten um Queerness und Migration erzählt werden – oder eben nicht erzählt werden. Es gab also schon ein aktivistisches Moment, auch wenn ich nah bei mir geblieben bin. Nach „Futur Drei“ habe ich viel entwickelt, aber nichts hat die Schlagkraft gehabt, um daraus meinen nächsten Kinofilm zu machen. Das lag auch daran, dass der gesamtgesellschaftliche Rechtsruck meinen künstlerischen Prozess sabotiert hat.
Dann muss „Staatsschutz“ ja gerade recht gekommen sein.
Shariat: In dieser Phase hatte ich das Glück, Claudia Schaefer kennenzulernen, die zu diesem Zeitpunkt schon das Drehbuch zu „Staatsschutz“ geschrieben hatte. Ich habe es in einer Nacht durchgelesen und bin total dankbar für diese Begegnung, die für mich schon fast etwas Schicksalshaftes hat. Auch wenn die Welt des Films sehr weit weg ist von meiner Lebensrealität, gibt es viele Ansatzpunkte: Systemische Gewalt, strukturelle, unsichtbare Antagonismen – diese Dinge spielen in „Futur Drei“ genauso eine Rolle wie in „Staatsschutz“.
Im Zentrum steht die Staatsanwältin Seyo Kim, gespielt von Chen Emilie Yan, die Opfer eines rechtsextremen Anschlags wird und bald feststellt, dass es innerhalb der Justiz kaum Rückendeckung für sie gibt. Spannend ist dabei, wie wir uns auch Seyo erst annähern müssen, sie ist ja lange Zeit eine auch für uns verschlossene Figur.
Shariat: Das war eine große Herausforderung! Ich mag es, filmisch zu experimentieren und auch tonale Entwicklungen zuzulassen, aber das ist auch immer ein Risiko, weil dadurch sozusagen der Film spürbarer wird. Bei „Staatsschutz“ wollte ich mit einer Beschreibung dieser Arbeitswelt und ihrem Alltag beginnen. Staatsanwälte und Behörden an sich verlangen ja von den Menschen, die dort arbeiten, eine sehr distanzierte, affektkontrollierte Haltung – daher ist auch der Modus des Films am Anfang fast dokumentarisch: Wir sind sehr weit weg, emotionalisieren kaum. Je mehr Seyo aus ihrer Rolle der Staatsanwältin rausgerissen wird, je mehr sie auch Regeln bricht, desto stärker subjektiviert sich der Blick, und wir rücken auch mit der Kamera näher ran. Am Ende steht ein Bekenntnis zum Innenleben, zur Emotion.
Der Film fängt das Gefühl von Ohnmacht gegenüber rechten Strukturen auf sehr beklemmende Weise ein. Hat er für dich trotzdem eine hoffnungsvolle Botschaft?
Shariat: Natürlich finde ich es attraktiv, diese Deutung letztendlich dem Publikum zu überlassen. Ich kann nur beschreiben, was konkret im Film passiert. Da wird auf jeden Fall sichtbar, dass aktuell eine Diskursverschiebung stattfindet, die unsere Verfassung betrifft – Menschenrechte werden zu linker, progressiver Propaganda erklärt. Das wirft die Frage auf: Was braucht es, um das wieder zurechtzurücken? Wenn wir als Gesellschaft nicht daran glauben, dass wir in der Lage sind, die Angst die Seiten wechseln zu lassen – von den vulnerabelsten Gruppen zu den Rechtsextremen – dann gibt es keine Hoffnung.
Film

Sehenswert
![Still_[AUSTRALIAN_RESEARCH_STATION]_(c) ThurnFilm GmbH_Fotografin Ines Reinisch](https://kulturnews.de/wp-content/uploads/2026/08/still-australian-research-station-c-thurnfilm-gmbh-fotografin-ines-reinisch-700x394.jpg)
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