„Frozen Charlotte“ von Jack White: Weniger ist mehr
Jack White bedient sich einmal mehr eines ganz einfachen Tricks: Limitation ist gut. Das führt zu einer ganz eigenen Blues-interpretation.
Seit Beginn seiner Karriere wiederholt Jack White dasselbe Mantra: Limitation ist gut. Technische Tricks, moderne Produktion, Bombast – all das macht nur die Seele der Musik kaputt. Nach zwei Alben im Jahr 2022, darunter das ungewohnt folkige „Entering Heaven alive“, kehrte White 2024 mit dem Überraschungsrelease „No Name“ zum puren Bluessound zurück. „Frozen Charlotte“ bleibt in denselben Gefilden, wird sogar noch minimalistischer: Mit Patrick Keeler an den Drums, Dominic Davis am Bass und Bobby Emmett an den Keys sind hier (fast) nur die drei Musiker dabei, die White auf der Tour zu „No Name“ begleitet haben.
Das Quartett ist bestens aufeinander eingespielt, und White entfesselt einige der dreckigsten Jams seiner Karriere, meist geprägt von seiner eigenen Blues-Interpretation, die weniger traurig-tragisch als bitter klingt: Auf „You’ll never fix me“, „All alone again“ oder dem abschließenden „Neighbors Blues“ spielt er die bekannte Rolle des misanthropischen Außenseiters, der sich aus allen Richtungen verfolgt fühlt. Was dabei etwas untergeht: sein Talent als Songwriter, das er in der White-Stripes-Ära noch besser mit Punk-Minimalismus verknüpfen konnte. Womöglich wegen der Limitationen, die ihm Meg Whites Schlagzeugspiel auferlegt hat.