„Gegenwart“ von Shatten: Unsere unbeschönigte Realität
Den Wavepop der Band Shatten zu hören, in wie eine Gruppenumarmung. Dabei wirft die Band mit dem neuen Album „Gegenwart“ einen ehrlichen Blick auf eben jene.

Wie bleibt man in einer harten Welt weich? Die aus den Trümmern von Findus hervorgegangene Hamburger Band Shatten sucht auf dem zweiten Album mit Eingängigkeit den Schulterschluss, und der in diesen Zeiten eh schon überstrapazierte Postpunkt wandelt sich dann eben zum Wavepop mit großgeistigen Refrains und Gruppenumarmung. Wenn die Kolleg:innen von Musikexpress in ihrem Verriss ein Gemisch aus Tocotronic, Kraftklub und den Editors in Kombination mit dem kumpeligen Schulterklopfen eines Thees Uhlmann ausmachen, ist das nicht wirklich von der Hand zu weisen.
Und doch lässt dieser Befund die großartigen Momente von „Gegenwart“ unter den Tisch fallen: In „Wuppertal“ werfen Shatten etwa einfach einen billigen Drum-Computer an, und dazu heißt es dann: „Erinnerung verpassen aus Ungeduld/Dazugehören wollen, um dagegen zu sein/Autos klauen und Gefangene befreien/Nazis jagen und Deutschland in Schutt und Asche schreien“. Womöglich ist das eine ganz gute Alltagsbeschreibung für den Mai 2026. Und vielleicht bringt der in „Paranoia“ erwähnte „Schienersatzverkehr in Gütersloh“ ja Katherina Reiche, Trumps Iran-Krieg und die lange Wartezeit auf eine Psychotherapie in ein stimmiges Bild. Warum soll man dazu dann nicht tanzen?
Musik


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