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„Inferno“ von Boards Of Canada: Es wird gruselig

AUFMACHER Boards Of Canada

Nach 13 Jahren kehren Boards Of Canada zurück. Doch es ist eher, als hätte die Welt sie endlich eingeholt.

Für zwei notorisch scheue Brüder aus Schottland, die seit 13 Jahren keine Platte veröffentlicht haben, sind Boards Of Canada dann doch erschreckend aktuell: Vaporwave, liminal spaces, selbst Analog Horror – die Ästhetik, die heute große Teile des Internets prägt, haben Michael Sandison und Marcus Eoin schon vor einem Vierteljahrhundert gelebt. Aber was fangen sie mit ihrem nostalgisch-verträumten Sound in der Gegenwart an? Sagen wir so: Das neue Album heißt „Inferno“ und klingt über große Strecken so gruselig, wie es die Weltlage verlangt.

Das wird bereits am Anfang klar: Nach dem kurzen „Introit“ beginnt die Single „Prophecy at 1420 MHz“, eine Anspielung auf die Frequenz außerirdischer Radiosignale. Schon hier hören wir ein für Boards Of Canada so typische Sprachsample, doch es ist so tief nach unten transponiert, dass die Stimme eine bedrohliche Qualität annimmt. Der Text könnte sich spirituell lesen, oder aber apokalyptisch: „Nothingness/Comes to a greater awareness of itself/The divine intellect/I am the truth, extinction.“

Diese Thematik zieht sich, passend zum Titel, durch das Album: Gebetsartige Texte und Befehle lassen an Fanatismus und Kulte denken. Auch die instrumentalen Stücke klingen nicht nur mystisch, atmosphärisch und spirituell, wie man es von den Boards gewohnt ist, sondern häufig auch geisterhaft und melancholisch. Stellenweise fühlt man sich nicht nur an frühere Alben des Duos erinnert, vor allem „Geogaddi“ von 2002, sondern auch an „We will always love you“ von den Avalanches, dieses überraschend düstere Album über den Tod. Erst gegen Ende wird der Sound von „Inferno“ immer versöhnlicher, bis der Schlusstrack „I saw through Platonia“ mit einem Sound endet, der zugleich ein Statement ist: einem menschlichen Herzschlag.

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