H.C. McEntire erschließt auf „Every Acre“ ihre innere Landkarte
H.C. McEntire gibt auf „Every Acre“ die isolierte Herumtreiberin: mal verzweifelt, mal zuversichtlich – und es ist grandios!

Wer in den vergangenen Jahren ein Konzert von Angel Olsen besucht hat, dem wird sie aufgefallen sein: H.C. McEntire. Die US-Musikerin hat sich ihre musikalischen Sporen aber nicht nur in Olsens Band verdient: Als Frontfrau von Mount Moriah ist sie Schwester-im-Geiste einer gewissen Adrianne Lenker. Dass McEntire mit ihren ersten beiden Alben hierzulande trotzdem unter dem Radar gelaufen ist, lässt sich kaum nachvollziehen: Wie nun auch auf dem dritten Soloalbum präsentiert sie einen so uramerikanischen wie zeitgemäßen Americana-Sound. Im Mittelpunkt steht stets die Auseinandersetzung mit einem Alltag zwischen Einsamkeit und Schwermut, zwischen künstlerischer Interaktion und einem Leben mitten in der Natur North Carolinas.
Gilt der lonesome Herumtreiber als eines der Hauptmotive der Country-Musik, setzt sich McEntire damit in der inneren Isolation ihres häuslichen Alltags auseinander. „Every Acre“ ist demnach nicht nur die Vermessung der äußeren Welt, sondern ein Versuch, die innere Landkarte zu erschließen. Lyrisch wechselt McEntire zwischen Zuversicht („New View“) und Behaglichkeit („Turpentine“), Verzweiflung („Soft Crook“) und Kontemplation („Gospel of a certain Kind“). Und stets findet sie einen unaufdringlichen wie virtuosen Sound, der vom 70ies-Folkrock der Westküste über den Bluestwang der Südstaaten bis hin zum Appalachenfolk reicht. Grandios!
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