Hayden Thorpe: Der gebärende Mann
Eine spirituelle Platte? Bei „Moondust for my Diamond“ von Hayden Thorpe könnten auch hartgesottene Zweifler überzeugt werden.

Hayden, nach der Trennung der Wild Beasts hast du vor zwei Jahren mit „Diviner“ ein reduziertes, sehr fragiles Solodebüt veröffentlicht. Das neue Album klingt dagegen wie ein energetischer Neustart voller Soundexperimente.
Hayden Thorpe: Es war sehr wichtig für mich, diese Traurigkeit zu bewohnen, um nach all den Jahren mit der Band als Solomusiker weitermachen zu können. Als Künstler errichtest du ja häufig um deine Traurigkeit herum einen Palast – nur kann der eben auch sehr schnell zum Palast eines Tyrannen werden. Ich musste da raus und wollte da nicht mehr leben.
„Moondust for my Diamond“ ist eine sehr spirituelle Platte. Da könnte man dir natürlich den Vorwurf machen, dass du dich in eine Parallelwelt flüchtest, um eine Auseinandersetzung mit der Realität und Problemen wie etwa dem Klimawandel oder einem globalen Rechtsruck zu vermeiden.
Thorpe: Ich bin nicht religiös, und ich glaube an die Wissenschaft. Trotzdem ist es meiner Meinung nach sehr gefährlich, sich ausschließlich auf Fakten und Zahlen zu fokussieren. Viele unserer gegenwärtigen Probleme rühren ja gerade daher, dass wir von den Dingen besessen sind, die wir anfassen können. Wie finde ich Erfüllung, die sich nicht an den Erfolgsdefinitionen der materiellen Welt bemisst? Wie kann es uns gelingen, weniger zu brauchen, weniger zu wollen und weniger Energie zu verpulvern? In der Spiritualität sind Lösungen zu finden.
Meine Lieblingszeile aus dem Song „No such Thing“ könnte ein wichtiger Lösungsansatz sein: „May the male womb sow a new reality“. Ich stelle mir da eine Art kosmische Männlichkeit vor, die die Überwindung der Maskulinität vorantreibt.
Thorpe: Ein Großteil der Texte ist sehr intuitiv entstanden, und diese Zeile zu singen, hat sich sehr heilend angefühlt. Mich hat diese Vorstellung angezogen: etwas zu nähren und wachsen zu lassen, was über mich hinausgeht. Dabei ist die männliche Gebärmutter kein Organ, sondern ein seelischer Ort, in den es reinzuwachsen gilt. Vielleicht fühlt sich der Gedanke so heilend an, weil er im Kontrast zu einer Gesellschaft steht, die so sehr auf Festschreibungen basiert. Ich weiß es nicht genau, aber auf jeden Fall ist es auch meine Lieblingszeile auf dem Album.
Musik


Karma Chamäleon: Die Editors sind wieder da!

Bei Danielle Ponder gilt: Herz über Kopf
Hörenswert

Raus aus dem Nebel: Gloria de Oliveira über Trauma und Befreiung
Zwischen Spukschlössern, Schwanenmythen und den Schatten einer toxischen Beziehung findet Gloria de Oliveira auf „The lying Swans“ eine Wahrheit, der sie wieder vertrauen kann.

BLANCO WHITE mit kommenden Album 2027 auf Tour
Neues Album im November und Torstart 2027: Blanco White bringt seinen traditionellen geprägten Indie-Folk nach Deutschland!

Das geht style: Shabazz Palaces feiert Comeback mit Haltung
Das neue Album von Shabazz Palaces mag Form über Inhalt stellen – wen könnte das stören, wenn die Form so gut ist?
