- Review
Honne: Echte Gefühle
Das englische Duo Honne klingt auf seinem neuen Album uncooler als je zuvor. Und das mit voller Absicht.

Eine Geschichte aus Andy Clutterbucks Kindheit fasst das Phänomen Honne perfekt zusammen: „Ich bin immer in den Stall gegangen und habe zwischen den Schafen getanzt und gesungen“, erzählt der Sänger und Produzent, der auf einem Bauernhof im Südwesten von England aufgewachsen ist. „Sie haben mich angestarrt und ,mäh‘ gemacht. Ich war überzeugt, dass es ihnen gefällt, bis eines Tages ein Widder von der Seite kam und mich zu Boden gerammt hat.“ Damals war es ihm zu peinlich, seiner Familie davon zu erzählen. Aber heute hat Clutterbuck offensichtlich kein Problem mehr damit, diesen ersten Rückschlag mit der ganzen Welt zu teilen.
Das japanische Wort honne meint die wahren Gefühle einer Person, die sie nur mit den Menschen teilt, die ihr am nächsten stehen. Für das englische Duo ist der Name Programm: Die Zeiten, in denen man als Mann in einer Band seine Gefühle hinter Sonnenbrille und Lederjacke verstecken musste, sind zum Glück vorbei. Clutterbuck und sein musikalischer Partner James Hatcher gehen offen mit ihren Bedürfnissen und ihrer Verletzlichkeit um. Das gilt für ihr viertes Album „Let’s just say the World ended a Week from now, what would you do?“ mehr als je zuvor. „In der Vergangenheit haben wir bestimmte Sachen gelassen, weil es sich manchmal ,cooler‘ angefühlt hat, den Leuten nicht zu geben, was sie wollen“, sagt Clutterbuck. „Aber dieses Mal waren wir auf einer Mission, die Musik so befriedigend wie möglich zu machen.“
Das bedeutet: Songs, die funky und tanzbar sind, aber auch weich und voller Liebe. Als größte Inspiration dient von Anfang an Clutterbucks Ehefrau. „Wir sind im selben Monat zusammengekommen, in dem ich auch James getroffen habe“, erinnert sich der Sänger. „Er weiß also, wie tief unsere Beziehung ist, weil er die ganze Zeit dabei gewesen ist. Er weiß auch, dass es in allen Texten um sie geht, und er hat all diese romantischen Liebeslieder zum Glück noch nicht satt.“
Große Namen haben Honne beim neuen Album unterstützt
Für das neue Album haben sich Honne Unterstützung von gleichermaßen offenherzigen Künstler:innen auf der ganzen Welt geholt. Auf „Three Strikes“ etwa singt der US-Amerikaner Khalid mit, bei „Home to you“ gastiert die indonesische Sängerin Niki. Mindestens ebenso bedeutsam aber waren die Kollaborationen hinter den Kulissen: „Back on Top“ haben Honne mit Sam Smith geschrieben, „Now I’m alone“ trägt die unverkennbare Handschrift von Arlo Parks, Meisterin des sonnigen Songwritings. „Von all unseren Alben klingt es am meisten nach Tageslicht: Es ist voller Features, bei denen wir uns immer noch fragen, wie wir sie an Bord gekriegt haben. Das zeigt einfach, dass alles möglich ist, wenn man sich wirklich anstrengt“, freut sich Clutterbuck, der die doofen Schafe von damals wohl endgültig überwunden hat.
Musik

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