Im Licht des neuen Tages von JARKA KUBSOVA
Mit Im Licht des neuen Tages arbeitet sich Jarka Kubsova am tschechischen Klassiker schlechthin ab – und schreibt nebenbei ihr eigenes Märchen.

„Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova ist unsere Buchempfehlung der Woche.
In Deutschland kennt man von Božena Nĕmcová wohl am ehesten die Adaption ihres Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die alljährlich an Weihnachten geschaut wird. Doch in Tschechien ist ihr autobiografischer Roman „Die Großmutter“ ein absoluter Klassiker, das Tal, in dem Autorin ihre Kindheit verbrachte, ein beliebter Pilgerort. Dorthin reist auch Elli Hajek, selbst Schriftstellerin mit Schreibblockade, um wieder zu sich selbst zu finden. Und vielleicht mehr als das, denn besonders angetan hat es ihr Nĕmcovás Figur Viktorka, eine Frau, die in „Die Großmutter“ als verwilderte, verzweifelte Frau geschildert wird, die im Wald lebt. Als Elli erfährt, dass es Viktorka wirklich gegeben hat, will sie der Wahrheit hinter der Geschichte auf den Grund kommen. Zugleich hofft sie, damit den Verlust ihrer eigenen Großmutter zu überwinden, die sie als Kind zurücklassen musste, als sie mit ihren Eltern aus der Tschechoslowakei floh. Doch im tschechischen Wald ist nicht alles so, wie es scheint …
Jarka Kubsovas dritter Roman ist ein ungewöhnliches Hybrid zwischen Künstlerroman, Psychogramm, historischer Fiktion und postmodernem Experiment. Was zumeist chronologisch und aus der Sicht ihrer Ich-Erzählerin geschildert wird, kann beim zweiten Blick verwirren: Manchmal schauen wir Elli über die Schulter, während sie Nĕmcovás Buch liest, manchmal stellen wir uns mit ihr vor, was im Kopf der echten Viktorka vor sich ging, dann wieder sind wir direkt in ihrem Kopf. Denn nach und nach stellt Elli fest, dass die Legenden, die über Viktorka erzählt werden, mehr mit dem Patriarchat des 19. Jahrhunderts zu tun haben, als vielen Nĕmcová-Leser:innen klar sein dürfte. „Im Licht des neuen Tages“ ist damit auch eine feministische Abarbeitung an einem Klassiker – und zugleich eine Liebeserklärung an Nĕmcová und ihre Bücher. Auch an Märchen wie „Aschenbrödel“, denn Elli erlebt im Wald durchaus Unerklärliches und Magisches. Also: nicht bis Weihnachten warten, sondern mit dem Lesen anfangen! Gemütlich genug ist es ja schon jetzt.
Mit „Im Licht des neuen Tages“ hat es Jarka Kubsova auf unsere Liste der besten Bücher im Oktober 2026 geschafft

Literatur


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