„Im Spiegel meiner Mutter“: Jutta Brückner kehrt zurück
Nach mehr als 20 Jahren meldet sich die Altmeisterin mit einem neuen Spielfilm zurück. Doch der überzeugt leider nur bedingt.
In den 1970er-Jahren gehörte sie neben Margarethe von Trotta und Helma Sanders-Brahms zu den prägenden Stimmen des Neuen Deutschen Kinos. Nach mehr als zwei Jahrzehnten meldet sich Jutta Brückner („Hungerjahre“) als Regisseurin zurück und setzt die Auseinandersetzung mit einem ihrer zentralen Themen fort: dem nachhaltigen Einfluss, den familiäre Bindungen und die Gespenster der Vergangenheit auf ein Leben haben. In Brückners neuem Film „Im Spiegel meiner Mutter“ führt der Tod ihrer Mutter die Hochschulprofessorin Ursula Scheuner (Harfouch) zu einer schmerzhaften Selbstbefragung. Während sie den Nachlass ordnet, drängen verdrängte Erinnerungen an eine von Besitzdenken, Schuld und emotionaler Abhängigkeit geprägte Mutter-Tochter-Beziehung an die Oberfläche. Parallel untersucht die Archäologin gemeinsam mit ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Melanie eine Moorleiche – ein ebenso naheliegendes wie wirkungsvolles Bild für das Freilegen verschütteter Erinnerungen.
Brückner erzählt diese Spurensuche nicht geradlinig, sondern in Rückblenden und Zeitsprüngen. Realität, Erinnerung und Imagination gehen zunehmend ineinander über. Die geheimnisvolle Melanie (Juri), die ausschließlich an Ursulas Seite erscheint, entwickelt sich dabei zu einer Projektionsfigur, die sich jeder eindeutigen Interpretation entzieht. Diese Leerstellen auszuhalten, verlangt der Zuschauerschaft einiges an Geduld ab. Weil Brückner zudem Diskurse über Wokeness und Geschlechterungleichheit allzu plakativ mitverhandelt, wirkt „Im Spiegel meiner Mutter“ insgesamt überfrachtet und überzeugt auch deshalb nur bedingt. Da kann auch Corinna Harfouch mit ihrer intensiven und zugleich präzisen schauspielerischen Leistung wenig ausrichten.