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Definitely maybe

Buchcover „Der Feminist“ von Iván Repila

Kann ein Mann ein Feminist sein? Diese Frage stellt Iván Repila – und die Gegenfrage irgendwie auch gleich mit: Wieso, geht es beim Feminismus nicht eigentlich um Frauen oder so? Aber mal halblang, erstmal: Ein namenloser Journalist, der sich sonst nie mit Feminismus befasst hat, hat ein Schlüsselerlebnis, als einer seiner zwei Mitbewohner einen heimlich selbstgedrehten Amateur-Porno in ihrem WG-Messenger-Chat teilt. Als unsere Hauptfigur fragt, ob die Frau, die da zu sehen ist, dem Filmen zugestimmt hat, brandmarken ihn seine Mitbewohner als Feminist. Der frischgebackene Gleichberechtigungskämpfer eignet sich das Label allerdings an, geht auf Vorträge – und verliebt sich da in die selbstbewusste, superschlaue Najwa. Die gibt ihm zuerst Literaturhinweise und erklärt ihm später dann auch noch geduldig die ganzen Autorinnen, die er nicht verstanden hat.

Nach und nach mausert er sich zum Diskursdurchschauer und entdeckt überall die Ausläufer des Patriarchats; zunehmend eckt er im Umgang mit Freund*innen und Familie an – auch, weil er etwa Angehörige, die sich über sexuelle Übergriffe beschweren, fragt, warum sie denn nicht endlich auf die Barrikaden gehen. Seine Frustration mit den Gegebenheiten und dem langsamen Fortschritt der Befreiungsbewegung spitzt sich zunehmend zu, bis er nach einem Streit mit seiner Mutter einen wahnsinnigen Plan ausheckt. So spannend die Fragen sein mögen, auf denen Iván Repilas Roman fußt, so unschlüssig ist leider auch seine Moral. Kann ein Mann ein Feminist sein? Wie könnte unterstützendes Verhalten eines männlichen Feministen aussehen? Eine wirkliche Antwort spart Iván Repila aus, zugunsten eines absurden Gedankenexperiments, zu dem er sich auch nicht abschließend verhält.

Spannendere Fragen, von denen das Buch bezeichnenderweise nicht handelt, werden hintenan im Epilog als theoretischer Rahmen und diskursiver Ausblick gestellt. So ist „Der Feminist“ leider nichts mehr als eine im letzten Drittel unterhaltsam bescheuerte Satire, die sich höchstens für den Denkanstoß am Ende und ein paar Literaturempfehlungen lohnt.