Jenny Beth: Die Savages-Sängerin geht an die Abgründe des Begehrens
In der Nacht zum 10. Januar 2016 ist David Bowie gestorben – und Savages-Sängerin Jehnny Beth wurde schlagartig klar, dass sie dieses Soloalbum machen muss.

Jehnny Beth war gerade in LA, als sie um drei Uhr morgens die Nachricht vom Tod des Thin White Duke erreichte. Immer wieder hat sie in diesen Morgenstunden sein letztes großes, den eigenen Tod verarbeitendes Album „Blackstar“ gehört, und angetrieben von der Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit verspürte sie den dringenden Wunsch, an die Abgründe des Begehrens und ihres Daseins zu gehen. Da ihre Postpunkband Savages nach den für den Mercury Prize nominierten Alben „Silence yourself“ und „Adore Life“ auf Eis liegt, war Beth ohnehin in neuen Zusammenhängen unterwegs: Sie hat mit Anna Calvi, den Gorillaz und den Swans gespielt, den Soundtrack für eine Doku über Chelsea Manning komponiert, und für ihre eigene Radioshow spricht sie regelmäßig mit Musikerkolleg*innen.
Auch wenn sie auf „To love is to live“ nun den eigenen, dunklen Stimmen folgt und um Katharsis ringt, setzt sie auf Unterstützung: Der Schauspieler Cillian Murphy, Romy Madley Croft von The XX und Idles-Sänger Joe Talbot sind mit Gastauftritten zu hören, und neben ihrem angestammten Partner Johnny Hostile waren auch Produzent Flood und Soundtrackkomponist Atticus Ross beteiligt. So wird die Selbsterkundung zu einem Tripp der starken Gegensätze: Während „The Rooms“ jazzigen Improvisationen folgt, setzen das hymnenhafte „We will sin together“ und die einer Tänzerin des Pole-Dancing-Clubs Jumbos gewidmete Single „Flower“ auf unmittelbare Eingängigkeit.
Das aggressive und von elektronischen Störgeräuschen gezeichnete „How could you“ wird von der fragilen Pianoballade „The french Countryside“ abgelöst, mit der sich Beth nach der Unschuld ihrer Teenagerjahre zurücksehnt. Doch wenn der finale Song „Human“ den Text des Openers „I am“ wieder aufnimmt, hat sich etwas verändert: „I am naked all the time, I am burning inside.“
To love is to live erscheint am 12. Juni bei Caroline.
Musik


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