John Irving: Straße der Wunder

In John Irvings neuem Roman tauchen Geister auf, und die Heilige Jungfrau greift immer wieder in die Handlung ein, indem sie etwa haselnussgroße Tränen über das traurige Schicksal des Protagonisten vergießt, aber auch für den Tod von dessen Mutter verantwortlich ist. Zwar würde man „Straße der Wunder“ eher beim magischen Realismus neben den Romanen von Carlos Ruiz Zafón oder Salman Rushdie als in der einschlägigen Fantasy-Ecke einsortieren, doch ist das auch gar nicht das Hauptproblem von Irving-Fans, die den mittlerweile 73-jährigen US-Schriftsteller eher wegen der in jedem Roman wiederkehrenden Motive verteidigen müssen. Natürlich hat man das absurde Außenseiterspektakel schon oft ganz ähnlich bei ihm gelesen – doch Irving greift diese Tendenz nicht nur ironisch auf und spielt mit ihr: Der Roman ist ein Bilanzieren, denn in dem herzkranken Erfolgsautoren Juan Diego arbeitet Irving seine Ängste vor dem nahenden Tod ab. Und so zählt „Straße der Wunder“ nicht nur ein extrem lustiges, es ist auch sein bislang traurigstes Buch.
Literatur


Berliner Zimmer: Thị Thanh Thảo Trần im Literatur-Podcast
Judith Gridl und Klaus Rathje sprechen mit Berliner Autor:innen übers Schreiben. Dieses Mal erklärt Thị Thanh Thảo Trần ihren Roman „Menschen wie wir“.

TASH AW stellt seinen neuen Roman Der Süden vor
Im November liest Tash Aw aus seinem spektakulären Roman über Klasse und Ambition, über Familie und das Erwachsenwerden.

